Schwierige Diagnose: Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Depressionen sind längst kein Thema mehr, das nur Erwachsene betrifft. Immer häufiger sind auch Kinder und Jugendliche betroffen. Bis die Krankheit bei ihnen richtig diagnostiziert wird, vergeht allerdings meist viel Zeit. Denn Depression äußert sich bei Kindern und Jugendlichen ganz anders als im Erwachsenenalter.  In der Ambulanz für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie der privaten SRH Hochschule Heidelberg werden junge Menschen therapeutisch betreut. Dass die eindeutige Diagnose dabei die größte Hürde ist, weiß die Leiterin der Ambulanz Dr. Helena Dimou-Diringer: „Das Krankheitsbild der Depression ist im Grunde bei allen Altersklassen gleich. Nur das äußere Erscheinungsbild ändert sich. Während kleinere Kinder meist noch nicht über traurige Gefühle sprechen können und oft von Bauch- oder Kopfschmerzen erzählen, versteckt sich die Depression bei Jugendlichen oft hinter einem aggressiven Verhalten.“

Vor allem Depressionen bei Jugendlichen werden häufig verkannt. Das ist auch kein Wunder: Kurzzeitige Stimmungsschwankungen sind bei Heranwachsenden nicht gerade untypisch und die Grenzen zwischen normaler Entwicklung und einem krankhaften Stimmungstief sind fließend. Ab wann also gilt ein Kind nun als verhaltensauffällig? „Ein erstes Anzeichen könnte beispielsweise sein, wenn es sich immer mehr zurückzieht, Freunde und Hobbys vernachlässigt, und sich diese niedergeschlagene Stimmung über einen längeren Zeitraum zieht“, so Dimou-Diringer. Ein wichtiger Schritt sei dann, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen und gemeinsam nach den Gründen zu suchen. 
Ähnlich wie bei Erwachsenen hängt die Entstehung einer Depression im Kindes- oder Jugendalter von mehreren Faktoren ab: Traumatische Ereignisse wie Scheidung, Tod eines Elternteils aber auch Mobbing können genauso grundlegend sein wie genetische Faktoren. Leidet bereits ein Elternteil an einer Depression, so liegt die Wahrscheinlichkeit bei rund zehn Prozent, dass auch der Nachwuchs daran erkrankt. Sind beide Elternteile davon betroffen, sogar bei bis zu 60 Prozent. 
„Hier muss man jedoch sagen, dass viele Kinder ähnlichen Ereignissen ausgesetzt sind, aber nicht jedes wird gleich depressiv! Entscheidend ist daher auch die eigene Persönlichkeit. Wenn ein Kind ein starkes Selbstbewusstsein, eine optimistische Sichtweise und ein stabiles Elternhaus hat, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es erkrankt", erläutert Dimou-Diringer. Eltern rät sie, aufmerksam zu sein und auch kleine Anzeichen ernst zu nehmen. Wer bereits eine Depression bei seinem Kind vermutet, sollte den Gang zum Therapeuten nicht scheuen: „Depressive Patienten haben in erster Linie eine negative Sichtweise von sich selbst und von ihrer Umwelt. Und je früher diese negativen Denk- und Verhaltensmuster unterbrochen werden, umso besser.“

4. Mai 2011
Quelle: SRH Hochschule Heidelberg