Soziale Phobien bei Jugendlichen weit verbreitet

Soziale Phobien sind bei Heranwachsenden zwischen 14 und 20 Jahren weit verbreitet. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

„60 Augenpaare starren mich an, wenn ich an der Tafel etwas erklären muss. Das halte ich nicht aus, am liebsten würde ich abhauen.“ Was ein Fünfzehnjähriger hier beschreibt, erleben viele Heranwachsende: Sie leiden unter einer sozialen Phobie, einer ausgeprägten und anhaltenden Angst, sich in sozialen Situationen peinlich oder beschämend zu verhalten – besonders dann, wenn sie mit unbekannten Personen zusammentreffen oder in Leistungssituationen von anderen Anwesenden beurteilt werden könnten. Aufgrund ihrer Angst vermeiden sie zunehmend solche zwischenmenschlichen Begegnungen.
Eine soziale Angststörung beginnt oft bereits im Kindes- und Jugendalter und gehört in dieser Altersgruppe zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Psychologen der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt am Main untersuchten in einer repräsentativen Studie, wie viele Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren von sozialen Ängsten betroffen sind.
Über 600 Jugendliche verschiedener Schulen in Frankfurt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg nahmen an der Studie teil. Befragt wurden sie unter anderem dazu, ob sie Ängste vor Begegnungen mit Menschen und vor Situationen entwickeln, in denen sie in Gegenwart von anderen Personen Leistungen erbringen müssen.
Die Frankfurter Wissenschaftler fanden bei etwa 13 Prozent der Befragten Hinweise darauf, dass eine soziale Phobie vorliegt. Mit rund elf Prozent gegenüber 17 Prozent war der Anteil „hoch-sozial-ängstlicher“ Schüler aus ländlichen Gebieten etwas geringer als in den städtischen Bezirken. Mädchen waren mit 59 Prozent häufiger betroffen als Jungen. Unterschiede zwischen den verschiedenen Schulformen stellten die Forscher nicht fest.
Die Frankfurter Wissenschaftler erhofften sich von ihren Ergebnissen wichtige Anhaltspunkte für die Therapie der Jugendlichen, die stark an sozialen Ängsten leiden. Da diese meist chronisch bestünden und mit einem hohen Risiko für einen vorzeitigen Schulabbruch und Schwierigkeiten beim Aufbau von Freundschaften einhergingen, sei eine frühzeitige effektive Therapie besonders wichtig. Bislang gebe es jedoch nur sehr wenige Behandlungsstudien bei Jugendlichen mit sozialer Phobie in Deutschland, die die Wirksamkeit psychotherapeutischer Therapien untersuchten. Im Rahmen einer groß angelegten multizentrischen Therapieforschungsstudie soll diesem Missstand abgeholfen werden.

Links
Forschungsverbund Soziale Phobie

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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