Teufelskreise durchbrechen

Eltern, die an einer Angststörung leiden und diese psychotherapeutisch behandeln lassen, können damit nicht nur sich selbst helfen, sondern auch ihren Kindern. Dies zeigt eine Studie der Ruhr-Universität Bochum.

Kinder psychisch kranker Eltern haben ein höheres Risiko, selbst eine psychische Störung zu entwickeln, als die Kinder gesunder Eltern. Ein Team von Psychologen der Ruhr-Universität Bochum ging nun in Zusammenarbeit mit der Universität Koblenz-Landau den Fragen nach: Wie kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden? Und welche Rolle spielt dabei die psychotherapeutische Behandlung des erkrankten Elternteils?
In einer zehn Jahre umfassenden Längsschnittstudie untersuchten die Forscher 43 Patienten mit Angststörungen und deren 54 Kinder. 35 der betroffenen Mütter und Väter durchliefen während des Untersuchungszeitraums eine speziell für Angststörungen entwickelte kognitive Verhaltenstherapie. Vor und nach dieser psychotherapeutischen Behandlung befragten die Wissenschaftler die Eltern und die Kinder.
Es zeigte sich, dass Kinder, deren Eltern eine spezielle Therapie machten, seltener selbst zu Angstgedanken neigten und auch seltener depressive Symptome entwickelten als Kinder, deren Eltern keine Therapie in Anspruch genommen hatten.
Die Wissenschaftler erklären sich dieses Ergebnis mit dem Prozess des Modelllernens: Wenn ein Elternteil psychisch krank sei, führe das für die Kinder zu einem Alltag voller Unsicherheiten und Ängste. Unterziehe sich der Betroffene nun einer Psychotherapie, so lerne das Kind am Beispiel der Eltern, dass man Problemen nicht hilflos gegenüber stehen müsse, sondern diese selbst in Angriff nehmen könne. Dieser Lernprozess mache Kinder stark.
Die Forscher betonen jedoch auch, dass ihre Ergebnisse mit Fokus auf Angststörungen lediglich einen Grundstein für zukünftige Studien legen könnten. Es sei von großem Interesse, mit Hilfe weiterer Forschungen herauszufinden, welchen Beitrag die Behandlung der Eltern generell zur Vorbeugung von psychischen Erkrankungen ihrer Kinder leisten könne.

Literatur
Schneider, S., In-Albon, T., Nuendel, B. & Margraf, J. (2013). Parental panic treatment reduces children’s long-term psychopathology: A prospective longitudinal study. Psychotherapy and Psychosomatics, 82, 346-348.


08. Juli 2014
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)
Foto © altanaka/Fotolia.com


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