Therapie der Binge-Eating-Störung

Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) sowie die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) sind bei der Binge-Eating-Störung (BES) langfristig wirksam. Dies zeigte eine aktuelle randomisiert-kontrollierte Studie des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) AdipositasErkrankungen der Universität und des Universitätsklinikums Leipzig.

Die Binge-Eating-Störung (BES) ist eine Essstörung, bei der es zu periodisch wiederkehrenden Heißhunger- und Essanfällen kommt, die durch den Verlust der bewussten Kontrolle über das Essverhalten gekennzeichnet sind. Im Gegensatz zur Bulimia Nervosa werden diese nicht von kompensatorischen Maßnahmen zur Gewichtskontrolle begleitet, wie zum Beispiel selbst herbeigeführtem Erbrechen.
Leipziger Wissenschaftler des IFB AdipositasErkrankungen konnten nun in einer in New Haven und San Diego (USA) durchgeführten randomisiert-kontrollierten Längsschnittstudie zeigen, dass sowohl die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) als auch die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) zur langfristigen Symptomverbesserung bei Binge-Eating-Patienten führen.

Langfristige Therapieerfolge

162 Patienten durchliefen ambulant 20 Sitzungen einer der beiden Therapieformen im Gruppensetting. Nach vier Jahren und sieben Monaten wurden 90 von ihnen nachuntersucht. Insgesamt 64,4 Prozent der Studienteilnehmer waren langfristig remittiert und zeigten eine signifikant und dauerhaft verbesserte Psychopathologie und psychosoziale Anpassung. Das Körpergewicht war langfristig stabilisiert.
Bisher gilt die KVT allgemein als Standardverfahren für die Behandlung der BES. Sie zeichnet sich durch ein direkt auf die Essstörungssymptomatik konzentriertes Vorgehen aus, bei dem die Patienten ein gesundes Essverhalten und eine größere Selbst- und Körperakzeptanz erlangen sollen. Im Gegensatz dazu fokussiert die IPT hingegen auf die interpersonellen Probleme, in deren Kontext die Essstörung auftritt, und behandelt auf diesem Wege auch die Essanfälle.

Aufholeffekt der Interpersonellen Psychotherapie

Frühere Studien hatten bisher nur die Wirksamkeit beider Therapieansätze über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren untersucht, nicht aber über längere Zeiträume. Im Nachbeobachtungszeitraum von über vier Jahren zeigte sich nun eine tendenzielle Verschlechterung der Essstörungssymptome nach Behandlungsende einer KVT, während die Symptome sich nach der IPT im weiteren Verlauf eher verbesserten. Ein Aufholeffekt der IPT, der sich auch schon bei anderen Essstörungen gezeigt hatte.
Obwohl also insgesamt beide Therapieformen gleichermaßen effektiv waren, ermutigen die Studienergebnisse dazu, auch die IPT als Behandlungsansatz stärker zu verfolgen.

Literatur

Hilbert, A., Bishop, M. E., Stein, R. I., Tanofsky-Kraff, M., Swenson, A. K., Welch, R. R. et al. (2012). Long-term efficacy of psychological treatments for binge eating disorder. British Journal of Psychiatry, 200, 232-237.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft