Tierische Reize

Wenn das Gehirn Bilder von Tieren verarbeitet, reagieren die Neurone in der rechten Amygdala – einem Teil des Gefühlszentrums des Menschen – besonders stark. Dies zeigten Neurowissenschaftler der Universität Bonn. 
 Die Amygdala – eine mandelförmige Struktur auf der Innenseite des Schläfenlappens – ist eine Hirnregion, die von der Wissenschaft bislang vor allem mit der Kontrolle und Verarbeitung von Gefühlen in Zusammenhang gebracht wurde. Ein internationales Forscherteam der Universität Bonn konnte nun zeigen, dass insbesondere die rechte Amygdala auch dann aktiv wird, wenn Menschen Bilder von Tieren präsentiert bekommen. 
 Die Neurowissenschaftler hatten die Aktivität von fast 500 einzelnen Nervenzellen im Gehirn von 41 Epilepsie-Patienten abgeleitet, während diese sich verschiedene Arten von Fotos ansahen. Eine besonders hohe Aktivität in den Neuronen der rechten Amygdala zeigte sich beim Betrachten von Tierbildern – nicht jedoch bei Fotos von Menschen, Landschaften oder Gegenständen. Dabei spielte es keine Rolle, um welche Art von Tieren – gefährliche oder ungefährliche – es sich handelte. Die beschriebene Reaktion konnte unabhängig vom Geschlecht und in einem zweiten Versuch mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie auch bei gesunden Probanden nachgewiesen werden.

Nach Meinung der Forscher spiegelt sich in ihrem Befund die Bedeutung der Tierwelt in der Evolutionsgeschichte des Menschen wider: Tiere waren in der Vergangenheit für den Menschen entweder gefährliche Feinde oder eine willkommene Beute. Dass das Gehirn bei der Verarbeitung von Sinnesreizen Lebewesen aller Art bevorzugt behandelt, konnte bereits in früheren Experimenten gezeigt werden.
 In weiteren Versuchen planen die Forscher, die Reaktionen des Gehirns auf andere Arten von Stimuli – wie zum Beispiel Tiergeräusche oder Gerüche – zu untersuchen. 

Literatur
 Mormann, F., Dubois, J., Kornblith, S., Milosavljevic, M., Cerf, M., Ison, M. et al. (2011). A category-specific response to animals in the right human amygdala. Nature Neuroscience, 14, 1247-1249. 

9. November 2011
 Quelle: Gehirn und Geist
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de