Trauer ist nicht gleich Trauer

Psychologen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg untersuchten Formen des Trauerns – und die damit verbundenen Folgen für die Betroffenen.

Im Verlauf unseres Lebens werden wir immer wieder mit dem Sterben und dem Tod von uns nahestehenden Personen konfrontiert. Und immer ist das Abschiednehmen mit Gefühlen von Betroffenheit und Trauer verbunden. Psychologen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg untersuchten in einer aktuellen Studie nun Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Verlusterleben – je nach Art der Beziehung zur verstorbenen Person und nach deren Todesart.

Mehr als 500 Trauernde interviewt


Insgesamt 521 Personen, die meisten von ihnen verwitwet oder verwaiste Eltern, hatten die Wissenschaftler in ihrer Studie befragt. Die Betroffenen beschrieben anhand eines neuen Fragebogens, des sogenannten „Würzburger Trauerinventars“, ihre Beziehung zu den Verstorbenen, deren Todesart sowie ihr Erleben nach dem Verlust und verschiedene Aspekte des Trauerns.

Tod des Kindes oder Ehepartners


Bei Personen, die ein Kind oder ihren Ehegatten verloren hatten, war das Empfinden der Nähe zur verstorbenen Person besonders stark ausgeprägt. Betroffene beschrieben sich als in der Trauerphase in ihrem Denken und Fühlen spürbar beeinträchtigt. Derlei Empfindungen waren weniger stark ausgeformt, wenn ein Elternteil beziehungsweise ein Bruder oder eine Schwester gestorben waren.

Suizide besonders belastend

Im Hinblick auf die Todesart, äußerten Angehörige von Opfern einer Selbsttötung stärkere Schuldgefühle als Angehörige von Personen, die durch Krankheit oder Unfall ums Leben gekommen waren. Keinen Einfluss auf die Intensität negativer Gedanken und Gefühle der Hinterbliebenen hatte hingegen, ob der Tod überraschend durch einen Unfall oder vorhersehbar aufgrund einer Krankheit eingetreten war.

Unterschiede in Art und Intensität des Trauerns


Die Befunde zeigen, wie sich Art und Intensität des Verlusterlebens unterscheiden, je nachdem, in welcher Beziehung die verstorbene Person zum Hinterbliebenen stand und auf welche Art sie ums Leben kam. Das müsse, so die Wissenschaftler, Auswirkungen auf die Begleitung, Beratung und psychotherapeutische Behandlung Trauernder haben. So seien Personen, deren Ehegatte oder Kind sich das Leben genommen haben, besonders anfällig für eine sogenannte „Anhaltende Komplexe Trauerreaktion“, die ihrerseits ein Risikofaktor für die Ausbildung noch schwerwiegenderer psychischer und körperlicher Gesundheitsschäden ist.

Literatur
Wittkowski, J. & Scheuchenpflug, R. (2016). Trauern in Abhängigkeit vom Verwandtschaftsverhältnis zum Verstorbenen und zur Todesart [Abstract]. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 24 (3), 107–118.

14. März 2017

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Susanne Koch


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