Traumagefahr verunfallter Kleinkinder

Ein neuer Screening-Fragebogen soll helfen, ein erhöhtes Risiko für die Ausbildung einer posttraumatischen Belastungsstörung bei verunfallten Kleinkindern rechtzeitig zu erkennen.

Auch Kleinkinder können in Folge von schweren Unfällen dauerhaft traumatisiert sein: Etwa jedes zehnte Kind leidet noch ein Jahr nach einem Verkehrs- oder Verbrennungsunfall an einer posttraumatischen Belastungsstörung. In Form von Flashbacks und Albträumen erleben betroffene Kinder Aspekte des traumatischen Erlebnisses wieder. Sie spielen die belastenden Erinnerungen immer und immer wieder nach oder vermeiden alles, was in irgendeiner Form an den Unfall erinnert. Als Folge dieser ständigen Wachsamkeit gegenüber bedrohlichen Erinnerungen können Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder ein aggressives Verhalten auftreten.
Forscher der Universität Zürich haben nun erstmals einen systematischen Screening-Fragebogen entwickelt, der hilft, die Traumagefahr verunfallter Kinder im Vorschulalter frühzeitig abzuschätzen. Innerhalb weniger Tage nach einem Unfall können damit relevante Verhaltensänderungen erfasst und Kinder mit einem erhöhten Risiko für langfristige Traumafolgestörungen identifiziert werden.
In einer ersten Evaluation hat sich das neue Instrument bereits als treffsicher erwiesen. Die Wissenschaftler befragten insgesamt 134 Eltern von zwei- bis sechsjährigen Kindern sieben bis zehn Tage nach einem Verkehrs- oder Verbrennungsunfall. 85 Prozent der untersuchten Kinder, die nach einem halben Jahr an einer posttraumatischen Belastungsstörung litten, konnten mithilfe des neuen Fragebogens bereits eine Woche nach dem Unfall korrekt identifiziert werden.
Die Wissenschaftler erhoffen sich von ihrem Fragebogen, dass traumatisierte Kleinkinder frühzeitig erkannt und notfallpsychologisch behandelt werden können – um zu verhindern, dass eine akute Stressreaktion in eine chronische psychische Erkrankung übergeht.
Der systematische Fragebogen für Fachpersonen ist unentgeltlich in Englisch und Deutsch bei den Autoren erhältlich.

Literatur
Kramer, D. N., Hertli, M. B. & Landolt, M. A. (in press). Evaluation of an early risk screener for PTSD in preschool children after accidental injury. Pediatrics.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Tragedia en Santiago de Compostela / Contando Estrelas / flickr.com unter CC BY 2.0

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