Ungünstige Arbeitsbedingungen erhöhen Suizidrisiko

Körperlich belastende Arbeit und Tätigkeiten, die in den Tag-Nacht-Rhythmus eingreifen, erhöhen das Suizidrisiko der betroffenen Personen. Diesen Schluss ziehen Wissenschaftler der Technischen Universität München.

In vielen Berufen ist Schichtarbeit unumgänglich. Ebenso müssen viele Menschen mit einer hohen Lärm- oder Schadstoffbelastung im Rahmen ihrer Arbeit leben. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass derartige ungünstige Arbeitsbedingungen im Zusammenhang mit einem erhöhten Auftreten von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen stehen. Bislang war allerdings unklar, inwiefern sie sich auch auf das Suizidrisiko auswirken. Dieser Frage gingen nun Forscher der Technischen Universität München zusammen mit Kollegen des Helmholtz Zentrums München nach.

Langzeituntersuchung

Zu diesem Zweck analysierten sie die Daten von 6.817 Teilnehmern der bevölkerungsbezogenen MONICA/KORA Kohortenstudie, die zwischen 1984 und 1995 erstmalig und nach durchschnittlich rund 13 Jahren nochmals befragt worden waren. Die Wissenschaftler untersuchten prospektiv den Zusammenhang von chronobiologisch, körperlich und psychosozial belastenden Arbeitsbedingungen sowie beruflichem Stress mit dem Auftreten von Suiziden.

Dreimal höheres Suizidrisiko

Es zeigte sich, dass Personen, die einem hohen Ausmaß an chronobiologisch und körperlich belastenden Arbeitsbedingungen – wie beispielsweise Überstunden, Wechselschichten, Akkordarbeit, Lärm oder Schadstoffen – ausgesetzt waren, ein etwa um das Dreifache erhöhtes Suizidrisiko aufwiesen. Dieser Anstieg war unabhängig von Faktoren wie Geschlecht, Alter, Bildungsgrad, Familienstatus, Alkoholkonsum sowie weiteren bekannten Risikofaktoren für suizidale Handlungen. Psychosozial belastende Arbeitsbedingungen und beruflicher Stress hatten hingegen keinen oder nur einen geringen Einfluss.

Hoffnungslos und resigniert


Die Wissenschaftler erklären sich dieses Ergebnis damit, dass eine Tätigkeit unter dauerhaft chronobiologisch oder körperlich belastenden Arbeitsbedingungen Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Resignation fördern könne – was langfristig ein „Sich-aufgeben“ und schließlich suizidale Handlungen begünstige. Sie betonen, dass Präventionsstrategien vor allem auch Verbesserungen im Arbeitsumfeld, insbesondere hinsichtlich chronobiologisch oder körperlich belastender Bedingungen, beinhalten müssen.

Literatur
Baumert, J., Schneider, B., Lukaschek, K., Emeny, R. T., Meisinger, C., Erazo, N. et al. (2014). Adverse conditions at the workplace are associated with increased suicide risk. Journal of Psychiatric Research, 57, 90-95.


18. September 2014
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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