Unstatistik des Monats: Terrorangst

Psychologe Gerd Gigerenzer und Kollegen greifen in ihrer „Unstatistik des Monats“ die Diskussion um die Terrorangst der Deutschen auf.

Die Angst der Deutschen wächst – insbesondere die vor Terroranschlägen. Viele Medien berichteten Anfang des Monats Juli von den Ergebnissen einer Erhebung der R+V Versicherung. Laut dieser Studie fürchteten sich immerhin rund 73 Prozent der 2.400 Befragten davor, dass „terroristische Vereinigungen Anschläge verüben“. Auch international stehen die Deutschen mit ihrer Angst vor Terroranschlägen an der Spitze: Laut einer Umfrage des US-Meinungsforschungsinstituts Pew befürchten 61 Prozent der befragten Deutschen, dass der Flüchtlingszustrom die Wahrscheinlichkeit von Terrorismus erhöhe. Damit belegt Deutschland nach Ungarn und Polen den dritten Platz unter den zehn Ländern, in denen die Befragung durchgeführt wurde.

Terror in Relation zu anderen Gefahren des Lebens

Mit seiner „Unstatistik des Monats“ hinterfragt der Psychologe Gerd Gigerenzer nun zusammen mit dem Statistiker Walter Krämer und Wirtschaftsforscher Thomas Bauer, wie gerechtfertigt die steigende Angst ist. Den Wissenschaftlern zufolge seien zwar die Umfrageergebnisse selbst zunächst richtig. Bedenklich sei allerdings, dass in den berichterstattenden Medien – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht versucht wurde, die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags in Relation zu anderen Gefahren des Lebens zu stellen.

Das Spiel mit der Angst

So sei es etwa in Deutschland in den vergangenen Jahren wahrscheinlicher gewesen, von einem Blitz getroffen als Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden. Selbst in den USA sei es in den meisten Jahren wahrscheinlicher von einem Kleinkind erschossen zu werden, das mit den Waffen der Eltern spielt, als durch einen Terroristen.
Mit derartigen Informationen könne man nicht nur der Angst der Bevölkerung entgegenwirken, sondern auch den Terrorismus entwaffnen. Denn dessen Ziel sei es ja gerade, Angst in der Bevölkerung zu verbreiten.

2. August 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Jonathan Stutz – Fotolia.com

Weitere Beiträge zum Thema

Unstatistik des Monats

Die indirekten Schäden des Terrorismus

Die Psychologie des Terrorismus