Unstatistik: Durch vegetarisches Essen zum besseren Menschen?

Gerd Gigerenzer und Kollegen hinterfragten in ihrer „Unstatistik des Monats“ die Interpretation einer Studie zu Ernährungsformen und Einstellungen.

„Vegetarier und Veganer sind die besseren Menschen, denn sie haben weniger Vorurteile und widersetzen sich eher autoritären Strukturen.“ So oder so ähnlich kommentierten viele Medien eine im Juli 2015 publizierte Studie der Universitäten Mainz und Wuppertal. Und legen damit den Gedanken nahe, dass eine vegetarische Lebensweise ein bestimmtes soziales Verhalten fördere oder sogar die Ursache dafür sei – dass sie uns also zu besseren Menschen mache. Weit gefehlt, sagen nun Gerd Gigerenzer, Träger des Deutschen Psychologie-Preises 2011, und seine Kollegen Walter Krämer und Thomas Bauer in ihrer „Unstatistik des Monats“. Mit dieser hinterfragen sie jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen.

Falsche Interpretation der Daten

In diesem Fall haperte es an der richtigen Interpretation der Studienergebnisse: Tatsächlich hatte die Untersuchung einen Zusammenhang zwischen einer Ernährungsform, die Fleisch und andere tierische Produkte enthält, und einer Neigung zu mehr Vorurteilen sowie einer Befürwortung autoritärer Strukturen und Hierarchien gefunden. Allerdings ist dies eine reine Korrelation – und damit nicht zwangsläufig eine kausale Beziehung. Im vorliegenden Fall sei nach Ansicht von Gigerenzer und Kollegen zu vermuten, dass unkonventionelle und antiautoritäre Charaktere auch bei der Ernährung zu eher unkonventionellen Methoden neigen. Wenn es also überhaupt eine Kausalbeziehung gebe, dann in umgekehrter Richtung: vom Charakter zur vegetarischen Ernährung.

Mythen der fleischlosen Ernährung


Schon bei dem Mythos, Vegetarier lebten länger als andere Menschen, habe sich, so die Wissenschaftler, die vegetarische Lebensweise als solche als irrelevant herausgestellt: Allerdings seien Menschen, die sich fleischlos ernährten, häufiger als andere Nichtraucher und trieben öfter Sport.

Literatur


Veser, P., Taylor, K. & Singer, S. (2015). Diet, authoritarianism, social dominance orientation, and predisposition to prejudice: Results of a German survey [Abstract]. British Food Journal, 117 (7), 1949-1960.

Kwok, C.S., Umar, S., Myint, P.K., Mamas, M.A. & Loke, Y.K. (2014). Vegetarian diet, Seventh Day Adventists and risk of cardiovascular mortality: A systematic review and meta-analysis [Abstract]. International Journal of Cardiology, 176 (3), 680-686.

6. August 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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