Väteraufbruch

Die bisher weitgehend unerforschte Spezies der Väter nimmt ein neues Forschungsprojekt in den Fokus. Beteiligt sind neben der Fachhochschule Dortmund weitere Hochschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Für die Entwicklung eines Kindes ist die Beziehung zu beiden Elternteilen wichtig. Allerdings war die Rolle des Vaters in der Forschung bisher eher vernachlässigt worden. Welche Motive und Ziele haben Väter für ihren Nachwuchs? Und welchen Einfluss haben sie auf die soziale Entwicklung ihrer Kinder? In welchen Familienzusammenhängen füllen sie welche Rollen aus? Das und vieles mehr wollen Psychologen der Fachhochschule Dortmund in einem neuen Forschungsprojekt herausfinden.
Rund 150 Väter sollen im Rahmen des Dortmunder Projektes befragt werden. Zur untersuchten Gruppe gehören Väter, die ein leibliches oder ein Stiefkind großziehen, Väter in Patchwork-Familien, aber auch Väter, die nicht mit ihrem Kind zusammenleben.
In einer Mischung aus Grundlagen- und Anwendungsforschung wollen die Dortmunder Psychologen in den nächsten Monaten mit verschieden Methoden austesten, wie gut die jeweilige Vater-Kind-Beziehung ist und über welche Ressourcen und Schutzfaktoren die Väter verfügen.
Im Mittelpunkt des Dortmunder Väterprojektes soll vor allem auch die „Vaterschaft zwischen Jugendhilfeerfahrung und väterlicher Kompetenz” stehen. Betrachtet werden dabei Väter, die selbst aus ungünstigen oder instabilen familiären Strukturen stammen. Bisherige Forschungen hatten gezeigt, wie wichtig die eigenen Erfahrungen in der Kindheit für die Erziehung der Kinder sind – weil diese auch die Vorstellungen vom Vatersein beeinflussen oder prägen. Eine Forschungsfrage sei daher, wie sich Männer, die ihre eigene Sozialisation in sogenannten „broken homes“ erfuhren, in ihre eigene Vaterrolle einfinden.
Langfristiges Ziel des Projektes ist es, Empfehlungen für Väter und für Fachkräfte in der Jugendhilfe zu entwickeln, die dazu beitragen, die Vater-Kind-Beziehung zu stärken.
Das Dortmunder Forschungsprojekt ist Teil der internationalen Studie „Väteraufbruch“, die von Forschenden aus Zürich, Wien, Freiburg, Kassel, Dortmund und Osnabrück getragen wird. Sechs Teilprojekte betrachten das Thema Vaterschaft jeweils aus einem anderen Blickwinkel. Besonders wichtig dabei ist, dass die Forschung in sämtlichen Einzelprojekten sich nicht auf die biologische Vaterschaft beschränkt, sondern auch die Fürsorge für Stief- oder Adoptivkinder Familien umfasst.

Weitere Informationen
Projektwebsite

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Father and Son / Lies Thru a Lens / flickr.com unter CC BY 2.0

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