Verständnis für die Krankheit senkt das Belastungsgefühl

Psychologen der Universität Jena entwickelten ein Unterstützungssystem zur Verbesserung der psychischen Gesundheit der Angehörigen von Demenzkranken.

Die Pflege eines demenzkranken Menschen ist eine herausfordernde und belastende Aufgabe. Pflegende Angehörige investieren oft einen großen Teil ihrer Zeit in die Betreuung des Kranken und sind mit Lebensveränderungen konfrontiert, die auch gravierende Auswirkungen auf ihre eigene Gesundheit und vor allem Lebensqualität haben. In der Folge fühlen sich die Betroffenen oft körperlich und seelisch überfordert; sie zeigen ein erhöhtes Risiko für körperliche Beschwerden sowie psychische Erkrankungen, insbesondere für depressive Symptome.

Telefonische Betreuung

Ein Team von Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena arbeitete im Rahmen des Projekts „Telefonische Therapie von Angehörigen von Demenzkranken“ (Tele.TAnDem) an der Entwicklung professioneller Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige und veröffentlichte nun erste Evaluationsergebnisse. Sie konnten nachweisen, dass sich die angebotene kognitiv-verhaltenstherapeutische Betreuung positiv auf den Gesundheitszustand und die Lebensqualität der pflegenden Angehörigen auswirkte.

Entlastung durch Verständnis

Insbesondere qualifizierte therapeutische Basiskompetenzen, wie etwa eine gute Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut und Patient, trugen zur Entlastung bei und verminderten die Depressivität. Das therapeutische Gespräch wurde von den Betroffen als entlastend und befreiend beschrieben.

Darüber hinaus führte eine kognitive Umstrukturierung, also die Veränderung der gedanklichen Konzepte zu einer Verringerung des Belastungserlebens: Oft werteten die Studienteilnehmer beispielsweise bestimmte Handlungen des Kranken, etwa das ständige Verlegen von Dingen, als absichtlich negativ. Gelang es den Therapeuten, in dieser Hinsicht ein Umdenken zu bewirken und damit das Verständnis für die Krankheit zu erweitern, wurde die Pflege anschließend als deutlich weniger belastend empfunden.

Sich selbst etwas gönnen

Auch bezüglich des persönlichen Wohlergehens der Angehörigen fand aufgrund der Intervention ein Umdenken statt: Obwohl viele sich mehr Zeit für sich wünschten, hatten sie vor der Therapie oft Probleme damit, sich diese Zeit zu nehmen und sich selbst etwas zu gönnen. Konnte die Therapie erreichen, dass die Pflegenden es als ihr Recht ansahen, es sich auch einmal gut gehen zu lassen, dann waren diese nicht nur generell zufriedener, sie verbesserten auch den Umgang mit dem erkrankten Familienangehörigen.

In einer neuen Projektphase wollen die Forscher eine professionelle Unterstützung der pflegenden Angehörigen per Internet anbieten und die Wirkung dieser Maßnahme evaluieren.

Literatur

Schinköthe, D., Altmann, U. & Wilz, G. (2015). The effects of treatment adherence and treatment-specific therapeutic competencies on outcome and goal attainment in telephone-based therapy with caregivers of people with dementia [Abstract]. Aging & Mental Health, 19 (9), 808-817.

Zum Projekt „Tele.TAnDem“

2. September 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto: © Annika Strupkus


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