Vorurteile gegenüber anderen Nationen

Klischees über Menschen anderer Nationalität steuern unser Kooperationsverhalten – nicht immer zu unseren Gunsten. Zu diesem Schluss kam eine Studie der Max-Planck-Gesellschaft.

Deutsche sind pedantisch und überpünktlich, Japaner arbeiten zu viel und machen durchschnittlich 10.000 Verbeugungen am Tag, Amerikaner sind dick und führen immer eine Waffe mit sich. Die Liste der Stereotype im Zusammenhang mit Menschen anderer Länder ist beliebig lang und jedes Land hat seine eigenen über die jeweils anderen. Prinzipiell müssen Überzeugungen bezüglich der Merkmale der Mitglieder einer sozialen Gruppe nichts Schlechtes sein und können sogar helfen, das Gegenüber einzuschätzen. Oft liegen wir mit unseren Vorurteilen aber falsch – und schaden damit anderen und uns selbst.

Internationales Gefangenen-Dilemma


Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft wollten herausfinden, welchen Einfluss Klischees über Menschen aus unterschiedlichen Nationen auf die Bereitschaft zur Kooperation haben. Für ihre Studie ließen sie über 1.200 Menschen aus Deutschland, Indien, Israel, Japan, Mexiko und den USA online gegeneinander spielen. Dabei hatten die Teilnehmer im sogenannten „Gefangenen-Dilemma“ die Wahl, sich egoistisch oder kooperativ zu verhalten: Waren beide egoistisch, gingen beide leer aus. Kooperierten beide, erhielten sie einen mittleren Gewinn. Verhielt sich nur einer egoistisch, erhielt er den größten Batzen und der andere wurde maximal ausgebeutet. Die Teilnehmer kannten vom jeweils anderen lediglich dessen Nationalität – und mussten auf Basis dieses Wissens dessen Kooperationsbereitschaft abschätzen.

Entgegengesetzte Erwartungen


In den Ergebnissen zeigte sich, dass die Einschätzung der Probanden tatsächlich oft durch länderübergreifende Klischees geprägt war. US-Amerikaner etwa erwarteten eine hohe Kooperationsbereitschaft von Japanern, eine sehr geringe hingegen von Israelis oder Indern. Paradoxerweise gingen gerade die Teilnehmer aus Israel von einer sehr hohen Kooperationsbereitschaft bei Partnern aus den USA aus und zeigten sich diesen gegenüber besonders kooperativ. Von Japanern erwarteten andere Teilnehmer im Test oft ein sehr kooperatives Verhalten, was aber letztendlich nicht zutraf – vielleicht weil die Japaner selbst grundsätzlich eher pessimistisch waren, was das kooperative Verhalten anderer betraf. So handelten die Teilnehmer oft nach Stereotypen, die sich letztendlich als hinderlich erwiesen.

Vorurteile hinterfragen


Allgemein zeigten sich die Spieler wohlwollender gegenüber Teilnehmern aus dem eigenen Land sowie auch gegenüber Menschen aus ärmeren Ländern. Spieler aus Mexiko und Indien erhielten mehr, als von ihnen erwartet wurde. Kein Effekt zeigte sich in Bezug auf die räumliche Entfernung der Länder.
Die Wissenschaftler betonen, wie wichtig es in einer zunehmend globalisierten Welt sei, dass Menschen länderübergreifend kooperieren – und sich ihre Vorurteile und Stereotype bewusst machen, um sie schließlich zu hinterfragen.

Literatur

Dorrough, A.R. & Glöckner, A. (2016). Multinational investigation of cross-societal cooperation. PNAS, 113 (39), 10836–10841.

20. Oktober 2016

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft
Symbolfoto: © Gunnar Assmy – Fotolia.com


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