Wann kommt es zu Unaufmerksamkeitsblindheit?

Ein Team von Psychologen der Deutschen Sporthochschule Köln untersuchte die Fehler in unserer bewussten Wahrnehmung.

Als Unaufmerksamkeitsblindheit („inattentional blindness“) bezeichnen Psychologen das Phänomen, dass wir Objekte oder Ereignisse mitunter nicht wahrnehmen, obwohl sie sich genau in unserem Blickfeld befinden – nämlich dann, wenn unsere Aufmerksamkeit anderweitig gebunden ist. Bisher nahm man an, dass der Effekt vor allem dann eintritt, wenn die Veränderung unerwartet ist und dass Menschen mit einem besseren Arbeitsgedächtnis weniger Probleme mit Unaufmerksamkeitsblindheit haben. Psychologen der Deutschen Sporthochschule Köln hinterfragten diese Annahmen in mehreren Versuchen.

Untersuchungen im Labor

Am Computerbildschirm im Labor bearbeiteten die insgesamt über 350 Probanden verschiedene Aufgaben. Dabei waren sie aufgefordert, sich auf bestimmte Stimuli zu konzentrieren und andere zu ignorieren. Von Zeit zu Zeit tauchte auf dem Bildschirm ein zusätzliches Objekt auf, das in seiner Form oder Farbe entweder den zu bearbeitenden oder den zu ignorierenden Stimuli ähnelte.

Objekteigenschaften wichtiger als Arbeitsgedächtnis

Es zeigte sich, dass vor allem die (Un-)Ähnlichkeit zu den für die Aufgabe wichtigen Reizen entscheidend dafür war, ob das zusätzliche Objekt bemerkt wurde: Wenn die Teilnehmer innerhalb einer Aufgabe schwarze Stimuli beachten und weiße ignorieren sollten, waren sie viel häufiger „blind“ gegenüber weißen Objekten, die zusätzlich auf dem Bildschirm auftauchten, als gegenüber schwarzen Objekten. Ob die zusätzlichen Objekte vollkommen unerwartet auftauchten oder sogar erwartet werden konnten, spielte für die Entdeckenswahrscheinlichkeit hingegen kaum eine Rolle. Ebenso hatten interindividuelle Unterschiede bezüglich des Arbeitsgedächtnisses keinen signifikanten Einfluss auf das Auftreten der Unaufmerksamkeitsblindheit.

Objekte müssen nicht unerwartet sein, um sie zu übersehen

Die Ergebnisse legen nach Ansicht der Forscher unter anderem nahe, dass niemand vor dem Phänomen der Unaufmerksamkeitsblindheit gefeit ist – und dass sie selbst dann auftreten kann, wenn „Ablenkungen“ erwartet werden.

Literatur

Kreitz, C., Furley, P., Memmert, D. & Simons, D.J. (in press). The influence of attention set, working memory capacity, and expectations on inattentional blindness [Abstract]. Perception.

Kreitz, C., Furley, P., Memmert, D. & Simons, D.J. (2015). Inattentional blindness and individual differences in cognitive abilities. PLoS ONE, 10 (8), e0134675.

1. Dezember 2015
Quelle: PloS ONE, Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Ina Jungbluth


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