Warum Antidepressiva nicht immer wirken

Ob Antidepressiva wirken oder nicht, hängt unter anderem von Umgebungsfaktoren ab. Zu diesem Schluss kam eine aktuelle tierexperimentelle Studie.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) gehören zu den am weitesten verbreiteten Medikamenten bei der Therapie von Depressionen. Doch obwohl sie einer großen Zahl von Patienten helfen, profitieren auch viele nicht von der Einnahme der Antidepressiva. Bisher ist wenig darüber bekannt, warum das so ist. Ein Team von Forschern aus Italien, Frankreich, Kanada und der Schweiz machte sich in einer aktuellen Studie daran, die entscheidenden Einflussfaktoren zu bestimmen.

Bereit für Veränderungen

Ihrer Theorie zufolge bewirkt die Erhöhung der Serotonin-Konzentration im Gehirn zunächst nichts anderes als eine Steigerung der Plastizität des Gehirns. Das heißt, dieses wird, den Forschern zufolge, in einen Zustand versetzt, in dem Veränderungen leichter möglich sind. Entsprechend dieser Theorie sollten in dieser sensiblen Phase die Umgebungsbedingungen eine entscheidende Bedeutung haben – und könnten bewirken, dass es dem Patienten durch Einnahme der Antidepressiva besser oder aber auch schlechter geht.

Stressreiche versus angenehme Umwelt

Ihre Annahmen testeten die Forscher im Tierversuch mit Mäusen. Alle Versuchstiere waren stressreichen Bedingungen ausgesetzt, bevor sie SSRI erhielten und verblieben entweder in der unangenehmen Umgebung oder wurden in eine für sie angenehmere Umwelt gesetzt.

Tatsächlich profitierten nur die Mäuse mit positiven Umgebungsbedingungen von den Antidepressiva. Es kam zu einen Rückgang der depressiven Symptome und einer Verbesserung der relevanten Laborwerte. In der anderen Gruppe zeigte sich hingegen der umgekehrte Effekt.

Antidepressiva nur ein Baustein

Den Forschern zufolge deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass die Umwelt ein entscheidender Faktor ist, wenn es darum geht, wie Antidepressiva auf den Patienten wirken. Entsprechend seien diese Medikamente alleine nicht ausreichend, um eine Depression erfolgreich zu behandeln. Sie könnten lediglich einer von mehreren Bausteinen in der Behandlung sein.

Literatur

Albonia, S., Pogginib, S., Garofaloc, S., Miliorc, G., El Hajje, H., Lecourse, C. et al. (in press). Fluoxetine treatment affects the inflammatory response and microglial function according to the quality of the living environment [Abstract]. Brain, Behaviour, and Immunity.

1. Oktober 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Annika Strupkus


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