Warum es schwer ist, einen schlechten Ruf loszuwerden

Wenn wir ein Urteil über andere bilden, bemerken wir schneller eine negative Verhaltensveränderung als moralische, charakterliche Verbesserungen. Zu diesem Schluss kam eine Studie der University of Chicago Booth School of Business.

„Der gute Name ist leicht verloren, aber schwer wiedergewonnen.“, besagt ein deutsches Sprichwort. Wie viel Wahrheit in dieser Aussage steckt, untersuchten nun Wissenschaftler der University of Chicago Booth School of Business. Sie suchten Antwort auf die Frage: Wie viele gute oder schlechte Taten muss eine Person begehen, bevor andere sie als in moralischer Hinsicht verändert einschätzen?

Positive und negative Handlungsbeispiele

In einer Reihe von Experimenten kreierten die Forscher Geschichten rund um alltägliche Situationen und Charaktere, die sich entweder moralisch oder unmoralisch verhielten. So wurde beispielsweise die fiktive Person „Barbara“ in ihrem Büroalltag beschrieben. „Barbara“ verhielt sich gegenüber ihren Kollegen manchmal sehr zuvorkommend, hielt die Tür auf oder machte Komplimente. Manchmal war sie aber auch sehr unfair: Sie drängelte sich vor oder verbreitete Gerüchte. Die Teilnehmer hatten die Aufgabe anzugeben, inwiefern sie bei Barbara bzw. einer anderen fiktiven Person eher eine positive oder negative Verhaltensänderung bemerkten.

Der moralische Wendepunkt


Es zeigte sich, dass nur wenige Negativbeispiele genügten, um die Teilnehmer urteilen zu lassen, eine Person habe sich zum Schlechten verändert. Hingegen brauchte es weitaus mehr positive Handlungsbeispiele, damit die Teilnehmer eine Besserung im Verhalten attestierten. Tatsächlich scheint es also so zu sein, dass es viel einfacher ist, einen guten Ruf zu verlieren als ihn zu gewinnen.

Den Forschern zufolge werfen ihre Ergebnisse zum Beispiel Fragen für Richter und Entscheidungsträger auf, wenn es etwa um Verurteilungen oder Strafumwandlungen geht.

Literatur

Klein, N. & O'Brien, E. (2016). The tipping point of moral change: When do good and bad acts make good and bad actors? [Abstract]. Social Cognition, 34 (2), 149–166.

18. August 2016
Quelle: University of Chicago Booth School of Business
Symbolfoto: © Susanne Koch


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