Weniger aggressiv dank guter Beziehung zum Lehrer

Ob sich Jugendliche sozial oder aggressiv verhalten, hängt unter anderem von ihrem Verhältnis zu ihrer Lehrkraft ab, sagen Forscher der ETH Zürich.

Die Schule ist ein Ort, an dem Gewalt und Aggressionen keinen Platz haben dürfen, und an dem prosoziales Verhalten gelernt und geübt wird. Nicht zuletzt deshalb gibt es verschiedenste Gewaltpräventionsprogramme für den Einsatz im schulischen Kontext. Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich stießen nun in einer Untersuchung, die sie zusammen mit Kollegen der Universitäten Cambridge (Großbritannien) und Toronto (Kanada) durchführten, auf einen bisher wenig beachteten Faktor, der jedoch entscheidenden Einfluss auf das soziale Verhalten von Schülern zu haben scheint.

Lehrerwechsel als Ausgangslage

Im Rahmen der Langzeitstudie „z-proso“ hatten sie seit dem Jahr 2004 über 1.400 Kinder in regelmäßigen Abständen zu sozialen bzw. aggressiven Verhaltensweisen befragt. Zusätzlich wurden auch die Einschätzungen der Eltern und Lehrer einbezogen. Aus den gewonnenen Daten erstellten die Forscher für jedes einzelne Kind ein soziales Profil. Anschließend bildeten sie Paare von Kindern, die sich in diesem Profil ähnelten, sich allerdings in einem Punkt unterschieden: in ihrer positiven bzw. negativen Beziehung zu ihrem Lehrer. Nach dem Übertritt von der Unterstufe zur Oberstufe und dem damit verbundenen Lehrerwechsel wurde schließlich ermittelt, inwiefern sich die Beziehung zur Lehrperson und das Verhalten der Kinder geändert hatte.

Positive Beziehung zum Lehrer wichtiger Einflussfaktor

Die Ergebnisse waren eindeutig: Kinder mit einer guten Beziehung zur Lehrperson zeigten ein weniger aggressives und stärker prosoziales Verhalten als Schüler, die ihrer Lehrperson ambivalent oder negativ gegenüberstanden. Andere Einflussfaktoren wie kulturelle Unterschiede, Geschlecht, Erziehungsstil, aber auch früheres Problemverhalten konnten als Erklärung für die gefundenen Effekte ausgeschlossen werden.

Größerer Effekt als Präventionsprogramme

Obwohl die Wissenschaftler mit einem solchen Zusammenhang gerechnet hatten, waren sie erstaunt, wie stark die Beziehung zum Lehrer das Verhalten der Kinder beeinflusst. Ein gutes Schüler-Lehrer-Verhältnis scheint zu einem positiven Verhalten mindestens ebenso viel, wenn nicht mehr, beizutragen als gängige Gewaltpräventionsprogramme.

Literatur

Obsuth, I., Murray, A.L., Malti, T., Sulger, P., Ribeaud, D. & Eisner, M. (in press). A non-bipartite propensity score analysis of the effects of teacher-student relationships on adolescent problem and prosocial behavior [Abstract]. Journal of Youth and Adolescence.

16. August 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © highwaystarz – Fotolia.com


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