Weniger Prüfungsstress im Studium

Wie reduziert man Prüfungsstress im Studium? Psychologen der Universität Münster untersuchten die Prüfungsbelastung und geben Hinweise zur Klausurgestaltung.

In vielen Studiengängen spielten bis vor einiger Zeit schriftliche Prüfungen während des Studiums eine eher untergeordnete Rolle. Im Zuge der Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse haben sie jedoch enorm an Bedeutung gewonnen. So gab es beispielsweise im Diplomstudiengang Psychologie in Münster bei insgesamt 13 Prüfungen im Vor- und Hauptdiplom nur eine einzige Klausur. Nach Umstellung auf Bachelor-Abschlüsse werden nun allein in Vorbereitung auf diesen Abschluss über ein Dutzend Klausuren geschrieben. Aufgrund dieser erhöhten Prüfungsbelastungen werden die neuen Studiengänge in der Öffentlichkeit und von den Studierenden oft als belastend oder gar überlastend empfunden. In einer aktuellen Studie untersuchte ein Team von Psychologen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster nun das Lernverhalten von Studierenden und die Prüfungsbelastungen. Zudem entwickelten sie Vorschläge zur besseren Gestaltung von Klausuren.
Über acht Semester hinweg befragten die Wissenschaftler Studierende der Psychologie direkt im Anschluss an ihre Klausuren. Insgesamt konnten sie auf diese Weise fast 2.800 Fragebögen zu 75 Klausuren auswerten.
Das größte, von den Studierenden genannte Problem, war der subjektiv empfundene Zeitmangel bei subjektiv zu großem Umfang der Lerninhalte. Allerdings war die erhobene durchschnittliche Lernzeit von 45 Stunden in Bezug auf die vorgesehenen Leistungspunkte durchaus angemessen. Den dennoch empfundenen Zeitdruck erklären sich die Wissenschaftler durch die Bündelung der Belastungen am Ende eines Semesters. Daher sei es ratsam, schon während des Semesters Probeklausuren oder Beispielaufgaben anzubieten. So gebe man den Studierenden Anreize, sich frühzeitig mit dem Stoff zu beschäftigen. Außerdem werde die Transparenz für die anstehende Klausur vergrößert, Ängste vermindert und die Zuversicht erhöht.
Eine zweite Problemquelle bildeten Verständnisschwierigkeiten aufgrund von schlechtem Material oder schlechten Vorlesungen. Zudem hatten viele Studierende subjektiv das Gefühl, nicht genau zu wissen, was von ihnen verlangt wird. Sie lernen zu viel oder falsch. Die Münsteraner Psychologen empfehlen, relevante Inhalte, den Schwierigkeits- und Detailgrad sowie die eventuell benötigte zusätzliche Literatur rechtzeitig vor der Klausur bekannt zu geben, um Transparenz zu schaffen.
Ein dritter Problembereich liegt auf Seiten der Studierenden: Viele berichteten Schwierigkeiten im Bereich der Motivation, des Aufschiebens oder des Zeitmanagements. Hier sei es, nach Ansicht der Wissenschaftler, Aufgabe der Hochschulen, die Studierenden durch Angebote im Bereich des Selbstmanagements sinnvoll zu unterstützen.
Zusammenfassend betonen die Psychologen, dass ein angenehmer Studienalltag nur mit gegenseitigem Entgegenkommen und gemeinsam strukturierten Lernprozessen erreicht werden könne. Dafür seien Anregungen und Kritik seitens der Studierenden unverzichtbar. Aus ihren Ergebnissen haben sie umfangreiche Checklisten mit Tipps zur Klausurgestaltung erstellt.

Literatur
Bechler, O. & Thielsch, M. T. (2012). Schwierigkeiten bei der Vorbereitung auf schriftliche Prüfungen. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 7 (3): 137-156.

 

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft