Wider den inneren Schweinehund

Sportpsychologen der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg untersuchten in einer aktuellen Studie, wie wir uns für Sport motivieren lassen.

Bewegung und körperliche Aktivität gehören zu einer gesunden Lebensführung und haben vielfältige positive Auswirkungen auf Körper und Geist. So weit, so klar. Dennoch fällt es uns oft schwer, uns für den Sport zu motivieren und uns freiwillig der Anstrengung auszusetzen. Sportpsychologen der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg gingen in einer aktuellen Studie der Frage nach, welchen Einfluss Erwartungshaltungen auf unsere Motivation haben – und wie wir uns selbst austricksen können.

Fahrradfahren im Labor


Insgesamt 78 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 32 Jahren sahen im Rahmen eines Labosexperiments zunächst verschiedene Kurzfilme, die die positiven gesundheitlichen Auswirkungen des Radfahrens hervorhoben oder entsprechende Erwartungen eher dämpften. Zudem wurden in den Filmen auch spezielle Kompressionsshirts angesprochen, die mal als mehr, mal als weniger sinnvoll dargestellt waren. Eben solche Shirts trugen die Teilnehmer, als sie anschließend 30 Minuten lang in die Pedale eines Fahrradergometers treten mussten. Alle fünf Minuten wurden sie dabei nach ihrem aktuellen Anstrengungserleben befragt.

Sich selbst erfüllende Prophezeiung

Ganz im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung zeigte sich, dass die Trainingseinheit für die Probanden weniger anstrengend war, wenn zuvor positive Erwartungen bezüglich des Radfahrens geweckt worden waren. Dieser Effekt war umso stärker, je sportlicher sich die Probanden selbst empfanden. Teilnehmern, die sich selbst als unsportlich eingeschätzt hatten, nutzten die positiven Erwartungen hingegen nichts: Sie empfanden die Bewegung dennoch als sehr anstrengend.

Glaube an spezielle Sportprodukte

Für die vermeintlich unsportlichen Probanden hatte jedoch der Glaube an das Kompressionsshirt einen beachtlichen Effekt: Während die sportlichen Teilnehmer nicht vom Tragen des Shirts profitierten, sank das Anstrengungserleben bei den unsportlichen Probanden, wenn sie zuvor in den Kurzfilmen von den positiven Effekten der speziellen Bekleidung gehört hatten.

Placebo-Effekte beim Sporttreiben

Die Befunde der Freiburger Psychologen sind ein weiterer Beleg für Placebo-Effekte beim Sporttreiben. Es ist eben nicht egal, was man über Sport und seine Wirkung denkt. Für Menschen, die sich selbst für unsportlich halten, könnten zudem, so die Wissenschaftler, entsprechende Produkte den Sport angenehmer machen – unter der Voraussetzung, dass die Betroffenen an deren Wirkung glauben.

Literatur
Mothes, H., Leukel, C., Seelig, H. & Fuchs, R. (2017). Do placebo expectations influence perceived exertion during physical exercise? PLoS ONE, 12 (6), e0180434.

18. Juli 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Peter van der Sluijs


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