Wie beeinflussen Werte die Lebenszufriedenheit?

Sozialpsychologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg untersuchten in einer aktuellen Studie, welche Eigenschaften und Werte den Weg zu Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und Glück ebnen.

„Agency“ und „Communion“ – so werden die „Big Two“, die zwei fundamentalen Dimensionen der sozialen Kognition genannt. Dabei steht „Agency“ für persönliche (sogenannte agentische) Eigenschaften wie etwa Kompetenz, Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen und damit für Selbstbehauptung und Selbstentfaltung. „Communion“ hingegen bezeichnet das Streben des Menschen nach Gemeinschaft und sozialen Beziehungen und umfasst (sogenannte kommunale) Eigenschaften wie etwa Vertrauenswürdigkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Empathie.

Die „Big Two“ spielen eine bedeutsame Rolle in der Selbst-, Fremd- und Gruppenwahrnehmung, aber auch bei der Ausbildung von Stereotypen. Inwiefern sie zudem Einfluss auf die persönliche Lebenszufriedenheit haben, untersuchten nun Sozialpsychologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Eigenschaften und Wertvorstellungen

Sie befragten insgesamt 201 deutsche und 328 russische Teilnehmer. Dabei wurden nicht nur die agentischen und kommunalen Eigenschaften ihrer Probanden erfasst, sondern auch die entsprechenden Wertvorstellungen, also, wie wichtig zum Beispiel Einfluss, Wohlstand, Leistung oder Anerkennung (agentisch) bzw. Vertrauen, Mitgefühl, Harmonie oder Anstand (kommunal) den jeweiligen Personen waren. Diese zwei Faktoren wurden mit der Lebenszufriedenheit in Beziehung gesetzt.

Zwischenmenschliche Werte entscheiden


Die Wissenschaftler waren davon ausgegangen, dass agentische Eigenschaften zusammen mit hohen kommunalen Wertvorstellungen die Lebenszufriedenheit positiv beeinflussen sollten. Tatsächlich bestätigten die erhobenen Daten diese Hypothese: Personen, die sich als selbstbewusst beschrieben und in der Lage sahen, ihre persönlichen Ziele zu erreichen (agentische Eigenschaften), und die gleichzeitig zwischenmenschliche, also kommunale Werte als wichtig erachteten, waren mit ihrem Leben besonders zufrieden.

Russland und Deutschland unterschieden sich in den Zufriedenheitswerten, was nach Ansicht der Forscher auf kulturelle Unterschiede sowie die ökonomischen Situation zurückzuführen sei. Doch obwohl sich die Russen insgesamt als mit ihrem Leben weniger zufrieden beschrieben als die Deutschen, waren die in der Studie untersuchten Zusammenhänge in beiden Ländern gleich. Die Wissenschaftler folgern, dass es vor allem die kommunalen Werte seien, die zufrieden machten – allerdings nur dann, wenn sie mit Tatkraft verknüpft seien.

Literatur
Abele, A. E. (2014). Pursuit of communal values in an agentic manner: A way to happiness? Frontiers in Psychology, 5 (1320).

 

07. Januar 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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