Wie bei Hempels unterm Sofa?

Psychologen der Goethe-Universität Frankfurt am Main untersuchten das Erziehungsverhalten von Eltern, deren Kinder unter ADHS leiden.

In Familien von Kindern mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) beobachten Forscher häufiger inadäquates Erziehungsverhalten, ein negatives emotionales Klima und Haushaltschaos. Wie genau diese Faktoren zusammenhängen, untersuchte nun ein Team von Psychologen der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Mit einem überraschenden Ergebnis.

Familien mit Kindern mit und ohne ADHS


In die Studie gingen Daten von insgesamt 84 Kindern im Alter von 7 bis 13 Jahren ein. Das Erziehungsverhalten wurde mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens erfasst, in dem erfasst wurde, wie intensiv sich Eltern um ihre Kinder kümmerten, sie lobten oder kritisierten, wie konsistent ihre Erziehung war und ob sie körperlich straften. Um das familiäre emotionale Klima zu erfassen, forderten die Psychologen ein Elternteil auf, fünf Minuten über das Kind zu sprechen und dessen Persönlichkeit sowie die Beziehung zum Kind zu beschreiben. Das Haushaltschaos wurde wiederum mit einem standardisierten Test erhoben.

Mehr Chaos, nicht weniger Wärme

Erwartungsgemäß zeigten die Eltern von Kindern mit ADHS mehr inadäquates Erziehungsverhalten, kritisierten ihre Kinder häufiger und berichteten über ein höheres Haushaltschaos als die Eltern der Kontrollkinder. Zur Überraschung der Psychologen schätzten Eltern von Kindern mit ADHS aber die Beziehung zu ihren Kindern positiver ein als Eltern von Kindern ohne ADHS.

Haushaltschaos als entscheidende Variable

Bei der Analyse der Beziehung der drei Konstrukte zeigte sich, dass das Haushaltschaos als die entscheidende Variable betrachtet werden kann, über die sich die Symptome der Kinder negativ auf das Erziehungsverhalten der Eltern auswirken. Jedoch scheint sich eine chaotische Umgebung nicht auf das emotionale Klima in der Familie niederzuschlagen – was in einem gewissen Widerspruch zu den Ergebnissen früherer Studien steht. Die Forscher vermuten als einen möglichen Grund, dass einige der teilnehmenden Familien bereits in eine Therapie eingebunden waren. Frühere Studien hatten sowohl für medikamentöse als auch für verhaltenstherapeutische Interventionen Verbesserungen der Eltern-Kind-Beziehung nachweisen können.

Empfehlungen zur Vermeidung von Haushaltschaos

Die Wissenschaftler planen, Empfehlungen zu erarbeiten, die Eltern dabei unterstützen, das Familienleben zu ordnen, Routinen und Rituale zu stärken und die Organisation des Familienalltags zu verbessern.

3. April 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Andy Dean – Fotolia.com


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