Wie fühlt das Gehirn?

Am Universitätsklinikum Heidelberg unterstützt ein neuer Magnetresonanztomograph die Erforschung des menschlichen Gefühlslebens. Wie unterscheidet sich die Gehirnaktivität bei Patienten mit psychischen Erkrankungen von der bei Gesunden? Was ändert eine Psychotherapie daran? Diese Fragen wollen Wissenschaftler der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg um Professor Dr. Sabine Herpertz mit Hilfe eines neuen Magnetresonanztomographen (MRT) auf den Grund gehen.

Professor Herpertz und ihr Team wollen mit dem neuen MRT sichtbar machen, welche Netzwerke im Gehirn an der Verarbeitung von Gefühlen, an ihrer Aktivierung, aber auch an ihrer Kontrolle beteiligt sind, und wie sich diese Aktivität bei psychischen Erkrankungen verändert. Aktuell läuft eine Studie zum Vergleich verschiedener Therapien bei Borderline-Störung, die mit heftigen, als unkontrollierbar erlebten Gefühlsausbrüchen einhergeht. Vorarbeiten des Teams zeigten bei Borderline-Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen deutliche Abweichungen der Gehirnaktivität, wenn es um die Kontrolle und auch Wahrnehmung von Gefühlen geht.

Im Rahmen der Studie prüfen die Wissenschaftler, wie sich die therapeutischen Interventionen auf die Gehirnaktivität der Betroffenen auswirken und Funktionsstörungen kompensieren. Dazu vergleichen sie MRT-Messungen des Gehirns davor und danach. „Wir werden damit erstmals zeigen, welche Veränderungen die einzelnen Therapien im Zusammenspiel der neuronalen Netzwerke im Gehirn verursachen“, so die Psychiaterin. „So haben wir die Möglichkeit, die psychotherapeutischen Methoden gezielt zu verbessern.“ Darüber hinaus sollen die Ergebnisse auch die Therapiewahl erleichtern: „Wir erhoffen uns Hinweise darauf, welche Intervention sich am besten für welchen Patienten eignet“, erklärt Herpertz.

In einer weiteren Studie geht es um den Vergleich zweier Therapiemethoden bei chronischer Depression. Die multizentrische Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Freiburg startete im März. Dr. Knut Schnell, leitender Oberarzt der Klinik, ist verantwortlich für die begleitenden, neurobiologischen Untersuchungen. Im Fokus der Wissenschaftler steht dabei die sogenannte Verhaltensprädiktion, also die Fähigkeit, das Verhalten eines Mitmenschen vorauszusehen und entsprechend darauf einzuwirken. „Chronisch Depressive glauben, auf ihre Mitmenschen keinen Einfluss zu haben. Wir prüfen, ob man dieses Denkmuster an der Aktivität bestimmter Gehirnareale festmachen kann, und wie die Therapien diese beeinflussen“, so Herpertz. 

25. August 2011
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft