Wie präsentieren wir uns in beruflichen Netzwerken?

Forscher des Leibniz-Instituts für Wissensmedien in Tübingen gingen in einer aktuellen Studie der Frage nach, wie glaubwürdig die Profile in beruflichen Netzwerken sind.

Berufliche Netzwerke wie XING oder LinkedIn gewinnen im Wettbewerb um gute Stellen immer mehr an Bedeutung: In individuellen Profilen stellen sich die Nutzer potenziellen Arbeitgebern vor. Doch wie zuverlässig sind diese Selbstdarstellungen? Präsentieren sich Personen in beruflichen Netzwerken so, wie sie wirklich sind, oder stellen sie vielmehr eine Idealversion von sich selbst zur Schau? Diesen Fragen gingen Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Wissensmedien in Tübingen nun nach.

Realistisches und idealisiertes Selbstbild

Mit Hilfe etablierter Persönlichkeitsfragebögen befragten sie 63 Nutzer der Plattform XING zu deren Persönlichkeitseigenschaften. Neben dem realistischen Selbstbild erfassten die Forscher aber auch das Ideal-Selbst ihrer Probanden, also wie diese sich gerne sehen würden.

Die XING-Profile der Probanden wurden fünf unabhängigen Gutachtern vorgelegt, die anhand dieser die Persönlichkeit der jeweiligen Nutzer einschätzen sollten.

Realistischer als erwartet

Es zeigte sich, dass die gewonnenen Fremdeinschätzungen hoch mit den realistischen Selbstbeschreibungen der Probanden korrelierten, nicht aber mit den idealisierten. In dieser Hinsicht unterscheiden sich berufliche also nicht von privaten sozialen Netzwerken.

Die Wissenschaftler nehmen an, dass die überraschende Ehrlichkeit der Nutzer sich unter anderem damit erklären lässt, dass diese sich der Tatsache bewusst sind, dass nicht nur potenzielle Arbeitgeber – also völlig Fremde – die Profile ansehen, sondern auch Bekannte und Kollegen – die natürlich die Stärken und Schwächen der betreffenden Person gut kennen.

Mittel zur Einschätzung von Kandidaten

Die Studienergebnisse der Leibniz-Forscher legen den Schluss nahe, dass berufliche Netzwerke für Arbeitgeber tatsächlich ein aussagekräftiges Mittel sind, um die Persönlichkeit von Kandidaten einzuschätzen, da diese sich in ihren Profilen durchaus realistisch präsentieren.

Literatur

Sieversa, K., Wodzickia, K., Aberleb, I., Keckeisenb, M. & Cress, U. (2015). Self-presentation in professional networks: More than just window dressing [Abstract]. Computers in Human Behavior, 50, 25-30.

6. Oktober 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto: © Kaspars Grinvalds – Fotolia.com


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