Wie sag ich’s richtig?

Worauf es bei Kündigungsgesprächen zwischen Führungskräften und Mitarbeitern ankommt, untersuchten Psychologen der Universität des Saarlandes.

„Müller, Sie sind gefeuert!“: Dass dies kein guter Einstieg für ein gelungenes Kündigungsgespräch ist, ist selbstverständlich. Wie man aber schlechte Nachrichten gut vermittelt, ist weniger klar. Unangenehme Gespräche, insbesondere Kündigungsgespräche, sind in den Führungsetagen der Unternehmen oft noch Tabuthemen. Wissenschaftlich fundierte Gesprächsleitfäden gibt es bisher nicht. Umso wichtiger, dass Psychologen der Universität des Saarlands sich nun der Frage annahmen, worauf es bei solchen Gesprächen ankommt.

Experimentelle Gesprächssituationen

In ihren Experimenten hatten Freiwillige die Aufgabe, in die Rolle eines Vorgesetzten zu schlüpfen und mit einem Mitarbeiter, der von einem Schauspieler gemimt wurde, ein Gespräch über eine betriebsbedingte Kündigung zu führen. Ein Teil der Teilnehmer hatte zuvor ein Training absolviert, in dem der formal korrekte Ablauf eines Kündigungsgesprächs geschult wurde. Andere lernten zusätzlich, fair mit dem Mitarbeiter umzugehen, also transparent und respektvoll zu kommunizieren. Die übrigen Probanden führten die Kündigungsgespräche ohne Training.

Die Situationen wurden aufgezeichnet und nicht nur von den Psychologen selbst ausgewertet, sondern auch erfahrenen Personalexperten zur Überprüfung der Authentizität vorgelegt.

Faktor „Fairness“ entscheidend

Es zeigte sich, dass für den Verlauf des Kündigungsgesprächs und die Akzeptanz der Kündigung selbst vor allem der Faktor „Fairness“ ausschlaggebend war, dass es also vor allem auf den Ton ankam, in dem die schlechte Nachricht vermittelt wurde. Die Mitarbeiter, deren Vorgesetzte ausschließlich im formalen Ablauf des Gesprächs geschult wurden, waren ebenso konfrontativ und unzufrieden wie diejenigen, deren Vorgesetzte gar kein Training erhalten hatten.

Viel Verbesserungspotenzial im Unternehmensalltag

Die hinzugezogenen Personalexperten bestätigten vor allem für die unangenehm verlaufenden Gespräche, in denen der Aspekt „Fairness“ nicht berücksichtigt wurde, dass sie echten Kündigungsgesprächen sehr nahe kommen. Respektvolle, offene Kommunikation, also etwas, das nach einer Selbstverständlichkeit klingt, scheint in der Praxis noch wenig verbreitet zu sein. Das belegen auch die vielen Gerichtsprozesse, in denen sich Betroffene gegen die Kündigung wehren. Die Forscher folgern daher, dass ihre wissenschaftlich fundierte Trainingsmethode tatsächlich von Nutzen für alle Beteiligten sein könnte.

Literatur

Richter, M., König, C.J., Koppermann, C., Schilling, M. (2016). Displaying fairness while delivering bad news: Testing the effectiveness of organizational bad news training in the layoff context [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 101 (6), 779–792.

28. Juli 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © william87 – Fotolia.com


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