Wie sehr lenkt das Smartphone ab?

Psychologen der Universität Ulm untersuchten, wie sehr Handy-Nutzung am Arbeitsplatz die Produktivität beeinflusst.

Das Smartphone ist inzwischen immer und überall dabei und hat unser Leben grundlegend verändert: Es hilft uns bei der Suche nach der nächsten Bahnverbindung und auch gleich beim Ticketkauf, weckt uns am Morgen mit dem aktuellen Wetterbericht und gibt uns die Möglichkeit, jederzeit mit Freunden und Familie in Kontakt zu sein. Praktisch, aber auch eine ständige Quelle der Ablenkung.

Smartphone und Beeinträchtigung bei der Arbeit

Welche Auswirkungen die Smartphone-Nutzung auf die Produktivität während der Arbeit hat, untersuchten nun Psychologen der Universität Ulm zusammen mit Kollegen der University of London (Vereinigtes Königreich). Sie befragten 168 Frauen und 94 Männer zu deren Tendenzen zur Smartphone-Abhängigkeit und zu Beeinträchtigungen der Arbeitsaktivität und -produktivität.

Auswirkungen auf die Produktivität

Es zeigte sich, dass bei abhängigkeitsgefährdeten Studienteilnehmern, die also eine höhere Affinität zur Smartphone-Übernutzung berichteten, auch negative Auswirkungen auf die gesamte Tagesleistung nachzuweisen waren. Ein wichtiger Faktor waren dabei Unterbrechungen beziehungsweise die verlorenen Arbeitsstunden durch das Gerät. Die längste Periode ohne Arbeitsunterbrechung durch das Handy lag im Durchschnitt bei zweieinhalb Stunden.

Vernachlässigung anderer Aktivitäten


Die Daten belegen zudem, dass die Personen, die während der Arbeit häufiger zum Smartphone griffen, auch generell mehr Zeit mit dem Gerät verbrachten, es also auch verstärkt in ihrer Freizeit, etwa für Spiele nutzten. Dies wiederum hing zusammen mit der Vernachlässigung anderer Freizeitaktivitäten. Rund 13 Stunden in der Woche, so die Angaben der Befragten, würden sie das Smartphone in der Freizeit nutzen. Die Wissenschaftler gehen allerdings aufgrund früherer Studienergebnisse von einer weitaus höheren Nutzungsdauer aus. Demnach unterschätzten viele Nutzer aufgrund der Routine und des Automatismus die Zeit, die sie tatsächlich am Smartphone verbrächten.

Literatur
Duke, É. & Montag, C. (in press). Smartphone addiction, daily interruptions and self-reported productivity. Addictive Behaviors Reports.


24. August 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Daniela Stang/Universität Ulm



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