Wie wir gehen und was wir erinnern

Unsere Art zu Gehen beeinflusst, was wir uns merken. So lautet das Ergebnis einer Studie zum emotionalen Gedächtnis, die von Psychologen der Universität Witten/Herdecke durchgeführt wurde.

Viele Studien belegen die positive Wirkung von Sport und Bewegung bei Depressionen. Meist wurden dabei vor allem der Umfang und die Intensität der körperlichen Ertüchtigung betrachtet. Psychologen der Universität Witten/Herdecke erforschten nun zusammen mit kanadischen Kollegen der Queen’s University, ob auch die Art der Ausführung der Bewegung einen Einfluss auf depressionsrelevante Prozesse hat.

„Fröhliche“ und „depressive“ Gangmuster

In früheren Untersuchungen hatten die Forscher Informationen darüber gesammelt, auf welche Art und Weise sich der Gang von depressiven und nicht depressiven Menschen unterscheidet: So wirken Menschen, die unter einer Depression leiden, beim Gehen eher in sich zusammengesunken und zeigen größere seitliche Schwingungen des Oberkörpers. Zudem bewegen sich die Arme der Betroffenen weniger mit und es kommt zu geringeren vertikalen Kopfbewegungen.

Für ihren Versuch veränderten die Wissenschaftler nun das Gangmuster ihrer insgesamt 39 gesunden Probanden, so dass diese entweder „fröhlicher“ oder „depressiver“ liefen als normal. Die Laufgeschwindigkeit veränderte sich dabei nicht. Während des Gehens wurden den Teilnehmern verschiedene positive oder negative Wörter dargeboten: zum Beispiel „mutig“ oder „attraktiv“ bzw. „langweilig“ oder „dumm“. Sie sollten entscheiden, inwiefern diese Wörter sie beschreiben. Im Anschluss wurde ein nicht angekündigter Gedächtnistest durchgeführt.

Art der Bewegung beeinflusst depressionsrelevante Prozesse

Es zeigte sich, dass Probanden, die „depressiv“ gelaufen waren, sich an mehr negative als positive Wörter erinnern konnten. Dies entspricht dem Muster, das auch immer wieder bei depressiven Patienten gefunden wird. Die Teilnehmer hingegen, die einen „fröhlichen“ Gang zeigen durften, hatten sich eher die positiven Wörter gemerkt. Anscheinend hat die Art, wie wir uns bewegen, Auswirkungen darauf, ob wir eher positive oder negative Informationen verarbeiten und erinnern – und ist damit relevant für depressionstypische Kognitionen.

Die Wissenschaftler hoffen, mit ihren Ergebnissen zur Entwicklung neuer Behandlungsansätze für depressive Patienten, die über eine Veränderungen von körperlichen Prozessen wirken, beitragen zu können.

Literatur
Michalak, J., Rohde, K. & Troje, N. F. (2014). How we walk affects what we remember: Gait modifications through biofeedback change negative affective memory bias. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 46, 121-125.

Michalak, J., Troje, N. F., Fischer, J., Vollmar, P., Heidenreich, T., Schulte, D. (2009). Embodiment of sadness and depression--gait patterns associated with dysphoric mood. Psychosomatic Medicine, 71 (5), 580-587.

 

26. November 2014
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Annika Strupkus


Weitere Nachrichten zum Thema

Mit Bewegung gegen Depression
Wieder klar sehen
Überraschung in der Depressionsbehandlung