Wie wir vergessen

Menschen können veraltete Informationen gezielt und dauerhaft vergessen, wenn es sinnvoll ist. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Psychologen der Universität Regensburg.

Wenn im Gedächtnis eine neue Information, wie etwa eine neue Telefonnummer oder ein neues Passwort, an die Stelle veralteter Inhalte treten soll, werden diese nicht einfach überschrieben. Stattdessen wird der Zugriff auf die veraltete Information erschwert und so das Erinnern der neuerer Inhalte erleichtert. Zahlreiche frühere Befunde zeigen, dass Menschen zumindest kurzfristig ihr Gedächtnis auf diese Weise aktualisieren können. Es war jedoch weitgehend unklar, wie langanhaltend diese Effekte sind und welche kognitiven Prozesse ihnen zugrunde liegen. Eine Forschergruppe der Universität Regensburg untersuchte in einer experimentellen Studie nun, wie lange absichtlich herbeigeführte Aktualisierungen im Gedächtnis bleiben.

Wortlisten lernen im Labor


Für den Versuch mussten sich die insgesamt 360 Versuchspersonen zwei verschiedene Wortlisten einprägen. Dabei wurde ein Drittel der Probanden nach dem Lernen der ersten Liste aufgefordert, sich diese zu merken und zusätzlich weitere Wörter zu lernen. Andere Teilnehmer erhielten die Information, dass das Experiment leider wegen eines Computercrashs neu gestartet werden müsse, und dass sie deshalb die erste Liste wieder vergessen könnten. Die übrigen Versuchspersonen wurden nach dem Lernen der ersten Liste aufgefordert, sich vorzustellen, durch ihr Elternhaus zu gehen und dazu eine kleine Skizze zu erstellen. Ein solcher Kontextwechsel führt in der Regel zu einem schlechteren Erinnern. Nach einer Wartezeit von drei Minuten, 20 Minuten oder 24 Stunden wurde ein Erinnerungstest durchgeführt, in dem beide Wortlisten erinnert werden sollten.

Besseres Verständnis von Aktualisierungsprozessen


Es zeigte sich, dass sich die Probanden nach der Aufforderung, die erste Liste zu vergessen, tatsächlich nicht mehr an die entsprechenden Worte erinnern konnten – egal, wie wenig oder viel Zeit verstrichen war. Im Gegensatz dazu erschwerte der durch die Vorstellungsaufgabe erzeugte Kontextwechsel das Erinnern der ersten Liste nur kurzfristig.
Dieses Ergebnis belegt, dass absichtlich erzeugte Aktualisierungen des Gedächtnisses durchaus nachhaltig sein können, dass also nicht mehr benötigte Informationen dauerhaft vergessen werden können.

Literatur
Aber, M. & Bäuml, K.-H. T. (2017). Testing the context-change account oft list-method directed forgetting: The role of retention interval [Abstract]. Journal of Memory and Language, 92, 170–182.

2. Februar 2017

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © SplitShire – pexels.com


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