Wie wirkt Psychotherapie auf das Gehirn?

Kognitive Verhaltenstherapie kann Veränderungen der Gehirnaktivität im Frontallappen bewirken. Wissenschaftler der Philipps-Universität Marburg untersuchten den Effekt von Psychotherapie auf neuronale Korrelate der Furchtkonditionierung.

Herzrasen, Zittern, Schweißausbrüche, Übelkeit: Menschen mit einer Panikstörung leiden unter plötzlichen Angstanfällen, die auftreten, ohne dass objektiv gesehen irgendeine reale Gefahr besteht. In Deutschland sind rund drei bis fünf Prozent der Bevölkerung von dieser Angsterkrankung betroffen. Effektive Hilfe bietet diesen Menschen eine Psychotherapie. In einer innovativen Studie untersuchten Wissenschaftler der Philipps-Universität Marburg nun, inwiefern eine solche Therapie auch auf die Hirnprozesse von Patienten mit Panikstörung Einfluss hat.
Die Forscher verglichen mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) die Gehirnaktivität von Patienten mit Panikstörung vor und nach der Teilnahme an einer kognitiven Verhaltenstherapie.
Es zeigte sich, dass besonders dem linken inferior-frontalen Kortex bei der Furchtkonditionierung der Patienten eine wichtige Rolle zukam: Im Vergleich zu den gesunden Probanden der Vergleichsgruppe wiesen die Panik-Patienten eine Hyperaktivierung dieser Region auf. Nach der Psychotherapie reduzierte sich diese Aktivierung jedoch auf das Normal-Niveau.
Des Weiteren konnten die Marburger Wissenschaftler nachweisen, dass bei Patienten mit einer Panikstörung der linke inferior-frontale Gyrus eine erhöhte Konnektivität zu Regionen der Furchtverarbeitung – wie beispielsweise der Amygdala, dem anterior-zingulären Kortex, und dem Inselkortex – aufweist. Dies scheint, nach Ansicht der Forscher, auf einen erhöhten Zusammenhang „kognitiver“ und „emotionaler“ Prozesse bei Panik-Patienten im Vergleich zu Gesunden hinzuweisen.
Die Wissenschaftler schließen aus ihren Ergebnissen, dass kognitive Verhaltenstherapie nicht primär auf emotionale Prozesse, sondern eher auf kognitive Prozesse (verbunden mit dem linken inferior-frontalen Gyrus) wirkt.
Bisher war unklar, wie sich Psychotherapie auf das Gehirn von Patienten auswirken kann. Die Studie des Marburger Teams konnte nun erstmals die Effekte von kognitiver Verhaltenstherapie auf neuronale Korrelate der Furchtkonditionierung nachweisen. Es scheint, als könne die „geistige“ Methode der Psychotherapie das „materielle“ Gehirn tatsächlich plastisch verändern.
Die Wissenschaftler erhoffen sich von ihren Ergebnissen, dass sie helfen werden, Therapieverfahren weiter zu optimieren, um Patienten mit Panikstörung noch effizienter therapieren zu können.

Literatur
Kircher, T., Arolt, V., Jansen, A., Pyka, M., Reinhardt, I., Kellermann, T. et al. (2013). Effect of cognitive-behavioral therapy on neural correlates of fear conditioning in panic disorder. Biological Psychiatry, 73 (1), 93-101.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft