Wir müssen nur wollen?

Wissenschaftler der Technischen Universität München wiesen nach, dass die innere, unbewusste Motivation das Leistungsvermögen entscheidend verbessern kann.

Wie motivieren wir uns, wenn wir für eine Prüfung lernen oder einen schwierigen Arbeitstermin bewältigen müssen? Besonders dann, wenn die Aufgabe unangenehm ist, müssen wir viel Willenskraft beziehungsweise Selbstkontrolle aufbringen, um unseren „inneren Schweinehund“ dennoch zu überwinden. Allerdings ist der Wille eine Ressource, die sich schnell erschöpft. Um Menschen dauerhaft zu hohen Leistungen anzuspornen, sind andere Konzepte gefragt. Psychologen der Technischen Universität München untersuchten in einer aktuellen Studie nun, wie unsere unbewussten Grundmotive, die tief in unserer Gefühlswelt verankert sind – beispielsweise das grundsätzliche Streben nach Leistung, Freundschaft oder Macht – unseren Willen beeinflussen können.
Dafür stellten die Wissenschaftler ihren 67 Versuchspersonen eine Aufgabe, die sie eine gewisse Überwindung kostete und erfassten anschließend, wie viel Willenskraft für eine zweite Aufgabe übrig geblieben war: Im ersten Teil des Experiments sahen die Probanden eine Szene aus dem Film „Club der toten Dichter“: Der Vater verbietet seinem Sohn mit drastischen Worten, Schauspieler zu werden. Eine Gruppe der Studienteilnehmer wurde aufgefordert, beim Nachspielen der Szene den Part des Vaters zu übernehmen. Die Kontrollgruppe sollte den Dialog lediglich niederschreiben. Im zweiten Versuchsteil zeigten die Versuchsleiter den Probanden eine der witzigsten Szenen des Animationsfilms „Ice Age“ und baten sie, dabei nicht zu lächeln oder zu lachen. Für beide Situationen mussten die Versuchspersonen Willenskraft aufbringen: Im ersten Teil, um vor der Kamera einen unangenehmen Charakter zu spielen, im zweiten, um den Impuls zu lachen zu unterdrücken.
Mithilfe von Standardtests hatten die Psychologen vorab erfasst, wie ausgeprägt das Machtmotiv der einzelnen Teilnehmer war, also das innere Bestreben, andere zu beeinflussen und zu kontrollieren. Die Hypothese: Ein hohes Machtmotiv könnte für die Aufgabe, den dominanten Vater darzustellen, hilfreich sein. Und wenn die Teilnehmer eine starke unbewusste Motivation mitbrachten, sollte ihre Selbstkontrolle länger anhalten.
Tatsächlich zeigte sich, dass es den Versuchspersonen mit starker Machtmotivation leichter fiel, bei der Ice-Age-Szene nicht zu lachen.
Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Teilnehmer bei der ersten Aufgabe von ihrer inneren Motivation profitieren konnten – und damit mehr Willenskraft für die zweite Aufgabe übrig blieb. In der Kontrollgruppe, die den Konflikt lediglich nacherzählte, zeigte sich dieser Unterschied nicht.
In einem ähnlich angelegten Experiment untersuchten die Wissenschaftler darüber hinaus den Einfluss des Leistungsmotivs, des Strebens, etwas zu erreichen oder zu Ende zu bringen. Auch in diesem Fall zeigte sich: Wer eine hohe eigene Leistungsmotivation hatte, hatte anscheinend Willenskraft gespart und schnitt damit insgesamt besser ab.
Für die Praxis in Unternehmen bestätigt dies, nach Ansicht der Forscher, dass es sinnvoll sei, mit spezifischen Anreizen die innere Motivation zu erhöhen – beispielsweise durch die gezielte Übertragung der Leitung eines Teams an eine machtmotivierte Person.

Literatur
Gröpel, P. & Kehr, H. (in press). Motivation and self-control: Implicit motives moderate the exertion of self-control in motive-related tasks. Journal of Personality.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © honestidad / thetaxhaven / flickr.com unter CC BY 2.0

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