Zeitumstellung stört Lebenszufriedenheit

Wenn im Frühjahr die Uhren zur Sommerzeit vorgestellt werden, sinkt kurzfristig die Lebenszufriedenheit. Dies geht aus einer Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hervor.

Bereits seit der erstmaligen Einführung der Sommerzeit im Jahr 1916 – seitdem gab es sie mit Unterbrechungen, bis sie 1980 in Deutschland erneut eingeführt wurde – wird über den Sinn und Unsinn dieser Maßnahme diskutiert: Führt die Umstellung tatsächlich zu einer Energieersparnis? Leidet der menschliche Organismus unter der Verschiebung seines Rhythmus? Führt die Umstellung auf Sommerzeit zu vermehrten Unfällen? Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg betrachteten in einer aktuellen Studie nun noch einen ganz anderen Effekt der Zeitumstellung.

Repräsentative Erhebung zur Lebenszufriedenheit

Grundlage ihrer Untersuchung waren die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), der größten multidisziplinären Langzeitstudie in Deutschland, sowie der vergleichbaren britischen Untersuchung „Understanding Society“. Insgesamt analysierten die Wissenschaftler die Befragungsergebnisse von 29.653 Personen, die zwischen 1984 und 2004 am SOEP teilgenommen hatten, sowie die Angaben von 8.950 Teilnehmern der Haushaltspanelstudie „Understanding Society“, die von 2009 bis 2012 erhoben worden waren. In die Studie flossen die Daten all derjenigen Befragten ein, die im Zeitraum zwei Wochen vor und nach der Zeitumstellung befragt worden waren.

Beschränkung der Freiheit

Es zeigte sich, dass in beiden Ländern die Lebenszufriedenheit der Befragten in der Woche nach der Umstellung auf die Sommerzeit zurückging. Besonders stark war dieser Effekt bei Eltern kleiner Kinder. In der zweiten Woche nach der Zeitumstellung erreichte die Lebenszufriedenheit wieder ihr ursprüngliches Niveau.

Die Wissenschaftler erklären sich ihr Ergebnis zum einen durch die körperliche Anpassung an einen neuen Tagesrhythmus. Zum anderen sei es für Menschen eine Belastung, wenn ihre frei verfügbare Zeit beschränkt werde. Das gelte besonders für Mütter und Väter, die ohnehin wenig Zeit für sich hätten. Entsprechend hatte die Zeitumstellung im Herbst tatsächlich keine messbaren Auswirkungen auf die Zufriedenheit.

Mehr Zeitsouveränität

Den Forschern zufolge könne den negativen Effekten der Zeitumstellung durch mehr Zeitsouveränität entgegengewirkt werden: Möglich sei zum Beispiel mehr zeitliche Flexibilität am Arbeitsplatz in der Woche nach der Umstellung.

Literatur

Kuehnle, D. & Wunder, C. (2015). Using the life satisfaction approach to value daylight savings time transitions. Evidence from Britain and Germany [PDF]. SOEPpaper, 744.

14. April 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto: © Ina Jungbluth


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