Zu viel Internet macht Jugendliche einsam

Intensiver Konsum von Online-Spielen und -Sexangeboten beeinflusst die Bindungsfähigkeit von Jugendlichen. Zu diesem Schluss kam eine Studie der Universitätsmedizin Mainz.

Allein im abgedunkelten Zimmer vor dem Computer statt unterwegs mit Freuden – für viele Eltern ist es eine Angst, dass ihr Kind so enden könnte. Doch leidet der Aufbau von Freundschaften und „echten“ Beziehungen tatsächlich unter der starken Nutzung von sozialen Netzwerken, Online-Spielen und Internet? Dieser Frage ging nun ein Forscherteam der Klinik für Psychosomatische Medizin der Universitätsmedizin Mainz nach. Die Ergebnisse wurden beim Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im März 2015 in Berlin vorgestellt.

Befragung von Jugendlichen zur Internetnutzung

Die Wissenschaftler befragten im Rahmen ihrer Studie rund 2.400 Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren in Rheinland-Pfalz: Zur Dauer ihrer Internetnutzung, aber auch zu den genutzten Inhalten sowie zu ihren sozialen Beziehungen.

Es zeigte sich, dass 3,4 Prozent der befragten Jugendlichen angaben, das Internet suchtartig zu nutzen: Sie waren mehr als sechs Stunden täglich online, hatten keine Kontrolle mehr über Online-Zeiten, gaben ihre Interessen auf und litten unter negativen persönlichen, familiären oder schulischen Konsequenzen ihrer Internetnutzung. Den Betroffenen fiel es zudem schwerer als ihren Altersgenossen, Beziehungen zu anderen aufzubauen und zu halten. 13,8 Prozent der Befragten zeigten zwar keinen suchtartigen, aber dennoch einen exzessiven und „ausufernden“ Gebrauch. Mädchen und Jungen waren davon gleichermaßen betroffen.

Isoliert, unkommunikativ, gereizt

Im Hinblick auf die genutzten Inhalte unterschieden sich Mädchen und Jungen allerdings: Mädchen nutzten das Internet häufiger für den sozialen Austausch, zur Recherche und zum Online-Shopping. Jungen hingegen verbrachten mehr Zeit mit Online-Spielen.

Des Weiteren zeigte sich in der Studie, dass Jugendliche, die häufig Angebote von Online-Spielen und Sexportalen nutzten, eine schlechtere Bindung zu ihren Freunden hatten: Sie kommunizierten weniger, vertrauten ihren Freunden nicht so sehr und fühlten sich von anderen stärker entfremdet. Faktoren, die auf Dauer eine soziale Ausgrenzung begünstigen können, wie die Wissenschaftler betonen. Digitale soziale Netzwerke seien hingegen förderlich für die Beziehung und Bindung zu Gleichaltrigen. Allerdings könnten auch sie zu einem suchtartigen Gebrauch führen, welcher wiederum die Bindung zu Gleichaltrigen negativ beeinflusse.

16. April 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto: © Chepko Danil – Fotolia.com


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