Zufriedener dank positiver Psychologie?

Psychologen der Universitäten Halle und Zürich entwarfen auf Grundlage der positiven Psychologie ein Online-Programm, um Menschen zufriedener zu machen.

Das Sonnenlicht im Küchenfenster, die Blumen vor dem Laden nebenan, die Mutter, die in der Bahn mit ihrer Tochter spielt: Um uns herum lassen sich viele Dinge finden, die schön sind – wenn wir denn hinsehen. Psychologen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Universität Zürich gingen in einer aktuellen Studie der Frage nach, wie es sich auf unsere generelle Zufriedenheit auswirkt, wenn wir dazu angeregt werden, das Schöne in unserer Umgebung bewusster wahrzunehmen.

Schönes aus dem Alltag

Insgesamt 113 Testpersonen beantworteten zunächst Fragen zu ihrer allgemeinen Lebenszufriedenheit. Anschließend erhielt die Hälfte von ihnen die Aufgabe, eine Woche lang jeden Abend jeweils neun Situationen, Beobachtungen oder Dinge aus ihrem Tag aufzuschreiben, die sie schön fanden. Direkt nach dieser Woche und auch noch einmal nach einem, drei und sechs Monaten wurden alle Probanden wieder zu ihrer Zufriedenheit befragt.

Mehr Zufriedenheit durch einfache Übung

Das Ergebnis: Im Durchschnitt stieg die Zufriedenheit der Teilnehmer, die schöne Dinge aus ihrem Alltag aufgelistet hatten, nach der Übung leicht an und depressive Gefühle traten weniger stark auf. Diese Effekte waren zum Teil auch nach einem Monat noch nachweisbar. Gleichzeitig wurde aus den Daten auch deutlich, dass die eingesetzte Methode nicht bei allen Teilnehmern gleich gut funktionierte: Abhängig von der Persönlichkeit fiel der Erfolg der Intervention unterschiedlich aus.

Geringer Aufwand, guter Nutzen

Dennoch schätzen die Psychologen das Ergebnis der Studie insgesamt positiv ein: Der zeitliche Aufwand und der subjektive Nutzen ständen in einem guten Verhältnis. Die kleine und kurze Übung könne eine Möglichkeit darstellen, das subjektive Wohlbefinden zu verbessern – zumindest kurzfristig.

Literatur

Proyer, R.T., Gander, F., Wellenzohn, S. & Ruch, W. (2016). Nine beautiful things: A self-administered online positive psychology intervention on the beauty in nature, arts, and behaviors increases happiness and ameliorates depressive symptoms [Abstract]. Personality and Individual Differences, 94, 189–193.

1. März 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Susanne Koch


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