Alkoholabhängigkeit stört den Wissenstransfer

Die Fähigkeit, Gelerntes auf einen neuen Kontext zu übertragen, wird durch Alkoholgenuss verringert. Psychologen der Ruhr-Univerität Bochum beschreiben ein spezifisches Lerndefizit alkoholabhängiger Personen.

Die Fähigkeit, Gelerntes auf einen neuen Kontext zu übertragen, wird durch Alkoholgenuss verringert. Psychologen der Ruhr-Univerität Bochum beschreiben ein spezifisches Lerndefizit alkoholabhängiger Personen. 
Durch Lernen erworbenes Wissen ist nur dann praktisch einsetzbar, wenn es mit Hilfe von Verallgemeinerungen und Abstraktionen flexibel auch auf bislang unbekannte Situationen übertragen werden kann. Doch eben dieser Wissenstransfer bereitet alkoholabhängigen Menschen Probleme. Ein Team von Psychologen des Instituts für Kognitive Neurowissenschaft der Ruhr-Universität Bochum (RUB) untersuchte nun dieses spezifische Lerndefizit in Zusammenarbeit mit der LWL-Klinik Dortmund. 
In einem Experiment verglichen die Neurowissenschaftler die Lernleistungen von 24 alkoholabhängigen Patienten mit der von 20 gesunden Probanden. Alle Versuchsteilnehmer wurden vor die gleiche Lernaufgabe gestellt: Auf einem Computerbildschirm sahen sie jeweils zwei von insgesamt sechs verschiedenen abstrakten Symbolen und mussten eines der beiden auswählen. Durch die Auswahl konnten die Probanden Geldbeträge von 20 Cent gewinnen. Die Gewinnwahrscheinlichkeit war für jedes der sechs Symbole eine andere. Ziel war es, zu lernen, welches die gewinnbringendsten Symbole sind. Im ersten Versuchsteil tauchten dabei durchgängig die gleichen drei Symbol-Kombinationen auf: So war zum Beispiel Symbol 1 immer mit Symbol 2 gepaart. 
Es zeigte sich, dass die alkoholabhängigen Probanden genauso gut wie die gesunden Versuchsteilnehmer lernten, sich für die lukrativeren Alternativen zu entscheiden. In einem zweiten Versuchsteil, der die Übertragung des Gelernten erforderte, schnitten sie jedoch wesentlich schlechter ab: In diesem Experiment präsentierten die Wissenschaftler die bekannten sechs Symbole in neuen Kombinationen. Gesunde Teilnehmer konnten mit Hilfe des zuvor gelernten Wissens auch aus den bislang unbekannten Symbolpaaren die gewinnbringendere Alternative bestimmen. Alkoholabhängige Menschen absolvierten diese Aufgabe hingegen wesentlich schlechter.
Die Neurowissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass alkoholabhängige Personen neue Zusammenhänge zwar genauso gut lernen wie gesunde Menschen, aber Probleme beim Transfer des Wissens in einen anderen Kontext haben. Sie gehen davon aus, dass dies auch für die Behandlung von Suchtstörungen relevant sein könnte. Denn alkoholabhängige Menschen haben oft Probleme, die Erkenntnisse aus der Psychotherapie in ihren Alltag zu übertragen. 

Literatur
Rustemeier, M., Römling, J., Czybulka, C., Reymann, G., Daum, I. & Bellebaum, C. (2012). Learning from positive and negative monetary feedback in patients with alcohol dependence. Alcoholism: Clinical & Experimental Research: doi: 10.1111/j.1530-0277.2011.01696.x.

 

Quelle: Ruhr-Universität Bochum