Alles Liebe

Welchen Einfluss das Verliebtsein auf Geschmack und Konsumverhalten hat, untersuchten Wissenschaftler vom Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven (ttz).

Der Valentinstag am 14. Februar ist der Gedenktag des Märtyrers Valentinus und gilt heute in vielen Ländern als „Tag der Liebenden“. Doch wer ist Liebender? Und was ist die Liebe?
Generationen von Dichtern und Denkern haben sich über diese Fragen den Kopf zerbrochen. Psychologen und Neurowissenschaftler beschreiben zumindest den Zustand des Verliebtseins auf ganz unromatische Art und Weise: Professor Dr. Manfred Hassebrauck von der Bergischen Universität Wuppertal zufolge leide ein verliebter Mensch unter ähnlichen Symptome wie ein psychisch Kranker. Die allgemeine Zurechnungsfähigkeit sei herabgesetzt und im Belohnungszentrum des Gehirns zeigten sich neuronale Muster, die sonst vor allem im Zusammenhang mit Rauschmitteln auftraten.
Wissenschaftler vom Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven (ttz) untersuchten in einer aktuellen Studie nun, welchen Einfluss dieser Ausnahmezustand des Verliebtseins auf Geschmackseindrücke und das Konsumverhalten von Menschen hat.
Insgesamt 46 Probanden im Alter von 20 bis 40 Jahren beantworteten Fragebögen zu ihrem Konsumverhalten und wurden einem Geschmackstest unterzogen. In diesem sogenannten Schwellentest gaben die Versuchspersonen an, ab welchen Konzentrationen sie die vier Grundgeschmacksarten süß, sauer, bitter und salzig erkennen konnten. Mit Hilfe von Speichelproben der Probanden bestimmten die Wissenschaftler zudem den Hormonspiegel – mit besonderem Augenmerk auf Testosteron und dem sogenannten Bindungshormon Oxytocin. Es wird vermutet, dass ein hoher Oxytocinwert insbesondere bei Männern die Bereitschaft zur Bindung und zur Sorge um Nachwuchs erhöht.
Tatsächlich zeigte sich, dass die Singles im Experiment einen niedrigeren Oxytocinspiegel aufwiesen als Personen, die in einer festen Beziehung lebten. Den höchsten Oxytocin-Wert hatten die frisch Verliebten.
Bei den Testosteronwerten der Frauen war auffällig, dass diejenigen, die in Beziehungen lebten, einen niedrigeren Testosteronwert im Speichel aufwiesen als Singles und frisch Verliebte. Die Wissenschaftler deuten dies als ein Indiz für eine ruhige und ausgeglichene Lebenssituation. Bei verliebten Männern hingegen war der Testosteronwert signifikant niedriger als bei Singles und fest Gebundenen. Dies bekräftigt nach Ansicht der Forscher die These, dass verliebte Männer durch verminderte Testosteronwerte (in Verbindung mit einem erhöhten Oxytocinwert) ihre Bindungsfähigkeit erhöhen und auf die potentielle Partnerin damit sympathischer wirken.
Im Geschmackstest konnte das tzz-Team das Vorurteil um den „verliebten Koch“ bestätigen: Tatsächlich wiesen frisch Verliebte eine vergleichsweise hohe Salzschwelle auf. Personen, die schon länger in einer Beziehung lebten, erkannten hingegen die Grundgeschmacksarten süß, sauer, bitter und salzig besonders gut.
Bezüglich des Konsumverhaltens zeigte sich, dass frisch Verliebte durchschnittlich mehr Geld für Geschenke für ihren Partner ausgaben als Personen in einer Langzeitbeziehung. Frauen investierten im Durchschnitt weniger Geld, erwarteten im Gegenzug aber, dass der Mann mehr für Geschenke ausgibt.
Dass materielle Gaben aber ohnehin nicht zentrale Bedeutung für das Funktionieren einer Liebesbeziehung haben, bestätigt Professor Dr. Jürgen Margraf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs). Auch wenn das „Prickeln“ des Anfangs mit der Zeit nachlasse, sei dies kein Grund, eine Beziehung aufzugeben. Doch ohne eigene Bemühungen um den Partner sei eine lebendige Beziehung nicht aufrechtzuerhalten. Geben solle man in der Liebe vor allem das, was man selbst bekommen möchte: Freundlichkeit, Vertrautheit, Rücksicht, Respekt.
So kommerzialisiert der Valentinstag heute ist, bietet er doch eine schöne Gelegenheit, sich beim Partner – mit oder ohne Geschenk – für die gemeinsame Zeit zu bedanken.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, Deutsche Gesellschaft für Psychologie

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