Auch Überwindung von Traumata wird vererbt

Forscher der Universität und der ETH Zürich konnten im Tierversuch zeigen, dass Verhaltensweisen, die durch frühe traumatische Erlebnisse verursacht werden, reversibel sind.

Traumatische Erlebnisse in der Kindheit erhöhen das Risiko, später im Leben Verhaltensauffälligkeiten oder psychische Krankheiten zu entwickeln. Und sie können weitreichende Folgen haben: Forschungen zeigen, dass auch bei den Kindern der Betroffenen die negativen Auswirkungen eines Traumas auftreten können – obwohl sie selbst keinen vergleichbaren Stress erfahren haben. Doch lässt sich das Verhalten der Betroffenen möglicherweise durch besonders günstige Lebensbedingungen wieder korrigieren? Und inwiefern hat das Einfluss auf die Folgegenerationen? Antworten auf diese Fragen suchten Wissenschaftler der Universität und der ETH Zürich in einer aktuellen Tierstudie.

Untersuchungen mit Mäusen

Für ihren Versuch trennten sie männliche Jungtiere in unregelmäßigen Abständen von ihren Müttern – und setzten sie damit traumatischem Stress aus. In der Folge verhielten sich die Männchen und auch ihre männlichen Nachkommen in Stresssituationen deutlich anders als die Kontrolltiere: Dies zeigte sich beispielsweise hinsichtlich ihrer natürlichen Scheu vor hellem Licht oder in ihrer Leistung bei komplexeren Aufgaben.

Auf neuronaler Ebene äußerte sich dies unter anderem im Hippocampus, einer Region, die mitverantwortlich für die Regulierung von Stressreaktionen ist. Grund für die veränderten neuronalen Strukturen wiederum waren epigenetische Veränderungen, die zu einer erhöhten Genaktivität und damit zu einer vermehrten Produktion bestimmter Rezeptoren führten.

Positive Umgebung macht Verhaltensauffälligkeiten rückgängig

Im Versuch wurde jedoch auch deutlich, dass die Auswirkungen frühkindlicher Traumata durch eine stressarme, abwechslungsreiche Umwelt im Erwachsenenalter korrigiert werden können: Eine anregende Umgebung führte bei den Mäusen zu einem Rückgang der traumabedingten Symptome. Ebenso erwiesen sich die beobachteten epigenetischen Veränderungen als reversibel – und die Symptome wurden nicht an den Nachwuchs vererbt.

Korrektur von Verhaltensauffälligkeiten durch Umwelt

Damit gelang den Züricher Forschern erstmals der Nachweis, dass positive Umweltfaktoren bzw. Lebensbedingungen epigenetische und Verhaltensänderungen korrigieren können, die sonst an die Nachkommen weitervererbt würden. Bisher war dieser Effekt einzig für Medikamente bekannt.

Literatur

Gapp, K., Bohacek, J., Grossmann, J., Brunner, A.M., Manuella, F., Nanni, P. et al. (in press). Potential of environmental enrichment to prevent transgenerational effects of paternal trauma [Abstract]. Neuropsychopharmacology.

7. Juli 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Lukas von Ziegler, UZH


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