Das ABCC9 des Schlafs

Die Dauer der Nachtruhe wird unter anderem durch unsere Gene beeinflusst. Dies fand ein internationales Forscherteam der Ludwig-Maximilians-Universität München heraus.

Die Dauer der Nachtruhe wird unter anderem durch unsere Gene beeinflusst. Dies fand ein internationales Forscherteam der Ludwig-Maximilians-Universität München heraus.
Der Legende nach kam Napoleon mit nicht mehr als vier Stunden Schlaf am Stück aus, der Erfinder Thomas Alva Edison angeblich sogar mit nur zwei Stunden pro Nacht. Andere berühmte Geister wie Einstein oder Goethe bevorzugten hingegen mindestens neun Stunden täglich. Ausschlaggebend für die Schlafdauer eines Menschen sind – neben saisonalen Schwankungen – unter anderem das Alter, das Geschlecht und der Chronotyp, der Menschen zu früh erwachenden „Lerchen“ oder zu späten „Eulen“ macht.
Chronobiologen der Ludwig-Maximilians-Universität München konnten nun zusätzlich einen genetischen Faktor identifizieren, der die Schlafdauer reguliert. Sie führten eine sogenannte genomweite Assoziationsstudie (GWAS) durch. Diese moderne genetische Untersuchungsmethode verfolgt das Ziel, die erblichen Grundlagen von Krankheiten und individuellen Eigenschaften aufzudecken. Die Forscher befragten insgesamt 4.251 Versuchsteilnehmer aus sieben europäischen Ländern nach ihren Schlafgewohnheiten und setzten die gewonnenen Informationen in Zusammenhang mit ihrem Genmaterial.
Es zeigte sich, dass Personen die über zwei Kopien einer bestimmten Variante des Gens ABCC9 verfügen, in einer störungsfreien Umgebung deutlich weniger schlafen als Personen mit zwei Kopien einer anderen Version.
Das Gen ABCC9 dient der Biosynthese des Proteins SUR2, welches eine Untereinheit eines Kaliumkanals darstellt und als Sensor für den intrazellulären Energie-Metabolismus fungiert. Dasselbe Protein spielt auch bei Herzleiden und Diabetes eine Rolle. Zusammenhänge von Schlafdauer und Stoffwechselstörungen, wie sie in früherer Forschung gezeigt werden konnten, können daher möglicherweise durch gemeinsam benutzte molekulare Mechanismen erklärt werden.
Bestätigt werden konnte der Einfluss des Gens auf die Schlafdauer im Tierversuch. In einem Knock-Down-Experiment blockierten die Wissenschaftler das entsprechende Gen in Fruchtfliegen, woraufhin die Tiere eine deutlich verkürzte Schlafdauer und besonders Schlaflosigkeit im ersten Teil der Nacht zeigten. Bei Säugetieren ist das Gen in verschiedenen Geweben aktiv: unter anderem im Herz, den Skelettmuskeln und dem Gehirn sowie in Teilen der Bauchspeicheldrüse.

Literatur

Allebrandt, K. V., Amin, N., Müller-Myhsok, B., Esko, T., Teder-Laving, M., Azevedo, R. V. D. M. et al. (in press). A KATP channel gene effect on sleep duration: from genome wide association studies to function in Drosophila. Molecular Psychiatry.

 

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

Foto © Pedro Ribeiro Simoes / flickr.com unter CC BY 2.0