Das Gehirn hat die besseren Ohren
Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin untersuchen mit Hilfe von Gehirnströmen die unbewusste Wahrnehmung von Störungen bei der Sprach- und Audioübertragung
Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin untersuchen mit Hilfe von Gehirnströmen die unbewusste Wahrnehmung von Störungen bei der Sprach- und Audioübertragung.
Wer kennt das nicht: Ein Telefonat mit dem Mobiltelefon während einer Zugfahrt und plötzlich sind nur noch Rauschen und Stimmfetzen zu hören. In einer aktuellen Studie der Technischen Universität Berlin werden die Versuchspersonen mit derartigen Störungen in der Übertragung von Audiosignalen konfrontiert. Aber auch mit Beeinträchtigungen der Übertragungsqualität, die sehr viel weniger offensichtlich sind. Im Rahmen eines Experiments hören die Probanden in einem schalldichten Raum kurze Audiosequenzen, die sie anschließend qualitativ bewerten. Per Knopfdruck geben sie an, ob sie ein Knacken oder Rauschen wahrgenommen haben, oder ob die Übertragung ihrer Meinung nach frei von Störungen war.
Zusätzlich messen die Wissenschaftler während der Untersuchung mit Hilfe der Elektroenzephalografie (EEG) die Gehirnströme ihrer Probanden. Mit Hilfe dieser auf diesem Gebiet neuartigen Kombination von Messungen können die Wissenschaftler untersuchen, was Probanden eventuell unbewusst oder vorbewusst wahrnehmen, obwohl sie angeben, eigentlich nichts bemerkt zu haben.
Und tatsächlich zeigte sich in den bisher fünf Versuchsreihen mit jeweils 20 Testhörern, dass es auch bei nicht bewusst wahrgenommenen Störungen zu einer Veränderungen der Gehirnwellen kommen kann. Die veränderten Hirnströme bilden die Störungswahrnehmungen ab, die von den Probanden nicht unmittelbar wahrgenommen werden können. Die Wissenschaftler können so die Unterschiede in den Schwellenwerten im Vergleich der bewussten und unbewussten Wahrnehmung feststellen.
Ziel der Forscher ist es, langfristig die Übertragung von Sprache im Hochqualitätsbereich zu verbessern, so dass idealerweise bei der Entwicklung neuer Übertragungs- und Codierungssysteme die Hirnströme der Probanden keine Störungswahrnehmungen mehr abbilden. Denn auch vorbewusste Störungswahrnehmungen können rückblickend das Qualitätsurteil beeinflussen.
Quelle: Technische Universität Berlin
Foto © D. Sharon Pruitt / flickr.com unter CC BY 2.0
