Der Einfluss emotionaler Bilder auf das Gehirn

Psychologen der Universität Leipzig fanden heraus, dass emotionale Bilder oder Ereignisse in unserer Umwelt vom Gehirn immer wahrgenommen werden – egal, was man zum entsprechenden Zeitpunkt gerade tut.

Psychologen der Universität Leipzig fanden heraus, dass emotionale Bilder oder Ereignisse in unserer Umwelt vom Gehirn immer wahrgenommen werden – egal, was man zum entsprechenden Zeitpunkt gerade tut.
Emotionale Bilder werden in unserer Gesellschaft gezielt eingesetzt, um das Verhalten ihrer Betrachter in eine bestimmte Richtung zu lenken: Positiv besetzte, angenehme Fotos finden zum Beispiel in der Werbung Anwendung, schockierende Bilder sollen beispielsweise Raucher zur Aufgabe ihres Lasters bewegen. Mit Hilfe von experimentellen Untersuchungen und im Rahmen mehrjähriger Forschungen konnte ein Team von Psychologen der Universität Leipzig neue Erkenntnisse zum Einfluss emotionaler Bilder auf die Aufmerksamkeit gewinnen. 
Die Wissenschaftler ließen ihre Versuchspersonen am Computer Aufgaben lösen, während sie mit Hilfe der Elektroenzephalographie (EEG) ihre Gehirnströme aufzeichneten. Immer wieder wurden den Probanden während der Arbeit für sehr kurze Zeit emotionale Bilder präsentiert. Als Folge davon beobachteten die Forscher deutliche Leistungseinbrüche bei der Lösung der Aufgaben, die bis zu einer Sekunde nach Darbietung eines emotionalen Stimulus andauerten. Wurden den Probanden hingegen neutrale Bilder gezeigt, trat der beschriebene Effekt der Ablenkung nicht ein.
Die Wissenschaftler schließen aus diesen Ergebnissen, dass emotionale Stimuli in der Umwelt automatisch wahrgenommen werden, und dass das Gehirn die Aufmerksamkeit auf sie lenkt, um sie weiter zu analysieren. Zudem scheint die Ablenkung von der zu lösenden Aufgabe erst dann zu erfolgen, wenn das emotionale Bild bereits nicht mehr zu sehen ist. Die Verschiebung von Aufmerksamkeitsressourcen hin zum emotionalen Stimulus und wieder zurück zur eigentlichen Arbeit ist demzufolge ein relativ langsamer Vorgang, der bis zu einer Sekunde nach Darbietung des emotionalen Bildes dauern kann. Für die betroffene Person bedeutet dies, dass sie sich nicht mehr auf die zu lösende Aufgabe konzentrieren kann. Fehler und Leistungsverminderungen sind die Folge.
In der Praxis bedeutet dies zum Beispiel, dass ein Werbeplakat am Straßenrand mit einem emotionalen Bild wahrscheinlich dazu führt, dass die Aufmerksamkeit vom Verkehr hin zu dem Plakat verschoben wird. Unter diesen Umständen kann die Spanne von einer Sekunde bereits eine gefährlich lange Zeit sein: Es steigt das Risiko von Fahrfehlern und Unfällen. 

Literatur
Müller, M. M., Andersen, S. K. & Attar, C. H. (2011). Attentional bias to briefly presented emotional distractors follows a slow time course in visual cortex. The Journal of Neuroscience, 31 (44), 15914-15918. 

 

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft