Der Einfluss politischer Heldinnen

Die Erinnerung an politisch erfolgreiche Geschlechtsgenossinnen inspiriert Frauen zu höheren Leistungen. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von Psychologen der Universität Neuchâtel (Schweiz).

Die erst kürzlich verstorbene Margaret Thatcher, erste und bisher einzige weibliche Premierministerin des Vereinigten Königreichs, wird mitunter kritisiert, andere Frauen in der Politik nicht stärker in deren Vorankommen unterstützt zu haben. Ihre Anhänger argumentieren jedoch, dass sie durch ihre Vorbildfunktion allein schon von tiefgreifendem Nutzen für Frauen mit Führungsambitionen gewesen sei. Schweizer Psychologen stellten in Zusammenarbeit mit Kollegen der Tilburg University in den Niederlanden dieses Argument im aktuellen Kontext auf die Probe und untersuchten die Wirkung von heute politisch erfolgreichen Frauen auf ihre Geschlechtgenossinnen.
Für ihre Studie rekrutierten die Forscher insgesamt 149 Schweizer Studenten, davon 81 Frauen, die eine Rede gegen die Anhebung der Studiengebühren halten sollten. Referiert wurde in einem virtuellen Raum vor einem Publikum bestehend aus zwölf Männern und Frauen. An der den Teilnehmern gegenüberliegenden Wand befand sich dabei entweder ein Poster mit einem Portrait von Hillary Clinton, von Angela Merkel oder von Bill Clinton. In einer vierten Gruppe war kein Poster zu sehen.
Es zeigte sich, dass die weiblichen Teilnehmer signifikant länger sprachen, wenn sie die Portraits von Hillary Clinton oder Angela Merkel sahen – im Vergleich zu den Bedingungen mit keinem Bild oder dem von Bill Clinton. Damit waren ihre Reden im Durchschnitt genauso lang wie die ihrer männlichen Kollegen. Zudem wurden die Vorträge von zwei unabhängigen Beobachtern und auch von den Probandinnen selbst als qualitativ besser eingeschätzt, wenn sie die Bilder ihrer erfolgreichen Geschlechtsgenossinnen sahen.
Bei den männlichen Teilnehmern zeigte sich kein Einfluss der verschiedenen Poster im Hintergrund.
Die Wissenschaftler betonen, dass es bisher viel zu wenig Forschung zum Einfluss weiblicher Rollenmodelle in der Politik gebe. Dabei scheine es so zu sein, dass Frauen in politischen Führungspositionen nicht nur das Ziel einer weiteren Gleichstellung seien, sondern gleichzeitig auch Voraussetzung dafür.

Literatur
Latu, I., Mast, M., Lammers, J. & Bombari, D. (2013). Successful female leaders empower women's behavior in leadership tasks. Journal of Experimental Social Psychology, 49 (3), 444-448.


Quelle: The British Psychological Society – Research Digest

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