Die biologische Uhr

Kinder älterer Väter haben ein höheres Risiko, an einer psychischen Störung zu erkranken. Zu diesem Schluss kam eine Studie von Wissenschaftlern der Aarhus Universitet (Dänemark).

In Deutschland entscheiden sich Frauen immer später dazu, Mutter zu werden: Mittlerweile bekommen die über dreißigjährigen Frauen mehr Kinder als die unter dreißigjährigen Frauen. Und dieser Alterstrend betrifft auch die Väter. Bislang hielt sich das Vorurteil, dass bei Männern das Alter bei der Geburt der eigenen Kinder vergleichsweise egal sei. Wissenschaftler der Aarhus Universitet (Dänemark) gingen nun zusammen mit Kollegen der University of Queensland (Australien) der Frage nach, inwiefern auch das biologische Alter des Vaters einen Einfluss auf die psychische Gesundheit des Kindes hat.
Grundlage der Untersuchung bildeten die Daten des dänischen Gesundheitsregisters vom Jahr 1995 bis zum Jahr 2011. Insgesamt 2.894.688 zwischen 1955 und 2006 in Dänemark geborene Personen wurden betrachtet – mit einem breiten Spektrum an psychischen Krankheiten wie Schizophrenie, affektiven Störungen, stressbedingten und somatoformen Störungen, Ess- und Substanzstörungen, Persönlichkeitsstörungen und einer Reihe von Entwicklungs- und Kindheitsstörungen. Zusätzlich ging das Alter der jeweiligen Mütter und Väter in die Untersuchung ein.
Es zeigte sich, dass das Risiko für psychische Krankheiten für Kinder von Eltern im Alter von 25 bis 29 Jahren am geringsten war. Waren die Mütter bei der Geburt hingegen jünger, ergab sich ein höherer Zusammenhang mit Suchterkrankungen, hyperkinetischen Störungen (ADHS) und geistiger Behinderung. Die Kinder von Teenager-Müttern zeigten sich als am anfälligsten für die meisten neurotischen und stressbedingten Erkrankungen.
Bei der Analyse der Daten fanden die Forscher zudem eine Verbindung zwischen Kindern älterer Väter und psychischen Störungen: Insbesondere galt dies für Schizophrenie, Autismus und für geistige Behinderung. Nach Ansicht der Forscher könne diese Verbindung durch eine Reihe verschiedener Faktoren bedingt werden, unter anderem durch mögliche neue Mutationen in den Samenzellen.
Die Forscher sehen durch ihre Ergebnisse bestätigt, dass die Nachkommen älterer Väter ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen haben. Die biologische Uhr ticke für Männer also genauso wie für Frauen.

Literatur
McGrath, J. J., Petersen, L., Agerbo, E., Mors, O., Mortensen, P. B. & Pedersen, C. B. (in press). A comprehensive assessment of parental age and psychiatric disorders. JAMA Psychiatry.

Quelle: Institut Ranke-Heinemann


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