Gemeinsam faul

Wer in einer Paarbeziehung lebt, treibt weniger Sport als zuvor. Zu diesem Schluss kamen Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Eine erfüllte Partnerschaft ist in unserem Kulturkreis einer der wichtigsten Faktoren für das persönliche Lebensglück – und hat zudem einen positiven Einfluss auf das körperliche Wohlbefinden. Wie sich allerdings Beziehungen auf gesundheitsrelevante Verhaltensweisen auswirken, ist vergleichsweise wenig erforscht. Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) gingen in einer aktuellen Studie der Frage nach, inwieweit sportliche Aktivitäten mit dem Beziehungsstatus zusammenhängen.
Für ihre Untersuchung werteten die Forscher die Daten des ebenfalls am DIW Berlin angesiedelten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus. Zwischen 1992 und 2011 waren im Rahmen dieser repräsentativen Erhebung insgesamt 11.568 Männer und Frauen wiederholt befragt worden.
Die Daten zeigten: Egal ob die Befragten in einer Partnerschaft ohne gemeinsamen Haushalt lebten, ob sie zusammen wohnten oder ob sie verheiratet waren – sie trieben weniger Sport als zu der Zeit, als sie noch Singles waren. Besonders stark ließ die Sportbegeisterung bei Ehepaaren nach. Am wenigsten vernachlässigten Männer und Frauen in Partnerschaften ohne gemeinsamen Haushalt ihre sportlichen Aktivitäten.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich dieses Ergebnis durch die sogenannte Heiratsmarkt-Hypothese erklären lassen: Demnach müssten Männer und Frauen in stabilen Partnerschaften nicht mehr ihre Attraktivität auf dem Heiratsmarkt unter Beweis stellen. Aus diesem Grunde lasse die sportliche Aktivität umso stärker nach, je stabiler die jeweilige Beziehung sei.
Durch die aufgrund der Partnerschaft fehlende frei verfügbare Zeit für sich selbst sei der Effekt, den Berechnungen der Forscher zufolge, nicht zu erklären.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung unterstreicht, dass auch die Hypothese der sozialen Kontrolle durch den Partner nicht gänzlich von der Hand zu weisen ist – jedoch erst ab einem gewissen Alter: Mit zunehmendem Alter führte bei Männern das Leben in einer Ehe nicht mehr dazu, dass sie weniger Sport trieben. Ab etwa Mitte 50 zeigte sich sogar ein positiver Effekt der Ehe. Dies könne nach Ansicht der Wissenschaftler daran liegen, dass die Frauen sich dann stärker um die Gesundheit des Partners sorgten und ihn eher motivierten, Sport zu treiben.
Umgekehrt scheine jedoch die soziale Kontrolle durch den Lebenspartner nicht zu wirken: Bei Frauen führte die Ehe bis ins hohe Alter dazu, dass sie weniger Sport trieben.
Die Forscher erhoffen sich, mit ihren Ergebnissen zur Entwicklung und zur besseren Ausrichtung von Gesundheitsprogrammen beitragen zu können.

Literatur
Rapp, I. & Schneider, B. (2013). The impacts of marriage, cohabitation and dating relationships on weekly self-reported physical activity in Germany: A 19-year longitudinal study. Social Science & Medicine, 98, 197-203.


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Timothy Takemoto / flickr.com unter CC BY 2.0


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