Gerechtes Teilen ist kinderleicht

Schon Kinder im Alter von drei Jahren teilen Spielzeugbelohnungen bereitwillig mit einem anderen Kind, wenn diese im Rahmen einer gemeinsamen Aktivität verdient wurden.  Ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig fand nun heraus, dass es sich um ein rein kollaboratives Phänomen handelt, wenn so junge Kinder miteinander teilen: Wenn Kinder nicht aufgrund kooperativer Handlungen, sondern ohne ersichtlichen Grund oder für eine selbständig gelöste Aufgabe belohnt wurden, behielten sie den Großteil ihres Gewinns für sich.  Die Wissenschaftler bedienten sich einer Studienanordnung, in der jeweils zwei Kinder eine Belohnung gewinnen konnten, indem sie mit Hilfe von Seilen ein Brett mit vier Glasmurmeln durch einem flachen Kasten zu sich heranzogen. Folgende drei Szenarien wurden in verschiedenen Versuchen durchgespielt: Die Kinder lösten die Aufgabe gemeinsam und mussten zeitgleich an den Seilen ziehen. Sie lösten die Aufgabe ohne einander zu helfen parallel, indem jeder für sich an einem Seil zog. Oder sie bekamen ohne ersichtlichen Grund eine Belohnung. Immer erhielt eines der Kinder drei Murmeln, während das andere sich mit einer einzigen zufrieden geben musste. Dreijährige (und teilweise auch zweijährige) Kinder teilten ihre Murmeln nur dann mit dem anderen Kind, wenn die Aufgabe gemeinsam erledigt wurde und nicht, wenn sie die Belohnung für eine selbständig ausgeführte Arbeit oder ohne ersichtlichen Grund erhalten hatten.Die Autoren nehmen an, dass sich möglicherweise die aus ontogenetischer Sicht erste kindliche Vorstellung der Bedeutung von Verteilungsgerechtigkeit in kollaborativen Situationen herausbildet, wenn eine gerechte Aufteilung des Gewinns durch die gemeinsame Anstrengung nahegelegt wird. 

Dies unterscheidet den Menschen von Menschenaffen: Schimpansen teilen nach gemeinsam verrichteter Arbeit nicht häufiger mit anderen Artgenossen, als wenn ihnen die Beute ohne Arbeit zufällt. Auch im Freiland kooperieren Schimpansen bei der Beschaffung von Nahrungsmitteln nur selten aktiv miteinander. Aus diesem Grund haben sie möglicherweise keinen Hang dazu entwickelt, Ressourcen dann gerechter aufzuteilen, wenn diese in Zusammenarbeit mit anderen Gruppenmitgliedern erlangt wurden. Dieser Unterschied zwischen Menschen und Schimpansen zeigt, den Autoren zufolge, dass das gerechte Verteilen von Ressourcen beim Menschen seinen evolutionären Ursprung im Teilen gemeinsam erlegter Beute haben könnte.

Literatur: 
Hamann, K., Warneken, F., Greenberg, J. R. & Tomasello, M. (2011). Collaboration encourages equal sharing in children but not in chimpanzees. Nature, 476, 328-331.

14. Oktober 2011
Quelle: Max-Planck-Gesellschaft

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