Gesundheitliche Risiken durch Stress am Arbeitsplatz

Über direkte und indirekte Signalwege führt Stress zu einer Entzündungsreaktion im Körper, die unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen kann. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München.

Verschiedene Umweltfaktoren und auch der Lebensstil haben wesentlichen Einfluss auf die Entstehung der großen Volkskrankheiten. So etwa können sich Belastungssituationen im Job negativ auf das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel auswirken. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München untersuchten im Rahmen der bevölkerungsbasierten Kohortenstudie MONICA/KORA nun den Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen am Arbeitsplatz und der Konzentration entzündlicher Biomarker im Blut.
Ihre Auswertung basiert auf Fragebogendaten und einer Langzeitbeobachtung von über 950 Personen.
Mehr als die Hälfte der Teilnehmer gab in den Befragungen an, psychische Belastungen und Stress am Arbeitsplatz zu erfahren. Zudem zeigte sich, dass gesunde Arbeiter, die angaben, im Berufsleben starken psychischen Belastungen ausgesetzt zu sein, deutlich erhöhte Konzentrationen des C-reaktiven Proteins (CRP), einem Entzündungsmarker, im Blut aufwiesen. Des Weiteren hatten eben diese Probanden ein verdoppeltes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das legt den Schluss nahe, dass der berufliche Stress über eine Aktivierung von Botenstoffen direkt mit Entzündungsreaktionen des Organismus zusammenhing.
Die berufliche Belastung führte darüber hinaus zu schädlichen psychischen Effekten, wie Depressionen und Schlafstörungen, sowie zu ungesundem Verhalten, beispielsweise körperlicher Inaktivität. Somit hatten die arbeitsbedingten Belastungen auch indirekt einen ungünstigen Einfluss: Denn sportliche Aktivität, wenn sie regelmäßig mindestens eine Stunde pro Woche betrieben wurde, reduzierte die Entzündungsaktivität im Körper deutlich.
Mit ihrer Analyse wollen die Münchner Wissenschaftler einen Beitrag zu einem tieferen Verständnis stressbedingter Reaktionen im Körper leisten. Sie hoffen, mit ihren Erkenntnissen wichtige Ansatzpunkte für präventive Maßnahmen, aber auch neue Therapien der großen Volkskrankheiten zu liefern.

Literatur
Emeny, R.T., Zierer, A., Lacruz, M.E., Baumert, J., Herder, C., Gornitzka, G. et al. (2013). Job strain–associated inflammatory burden and long-term risk of coronary events: Findings from the MONICA/KORA Augsburg case-cohort study. Psychosomatic Medicine, 75 (3), 317-325.

Emeny, R. T., Lacruz, M. E., Baumert, J., Zierer, A., von Eisenhart Rothe, A., Autenrieth, C. et al. (2012). Job strain associated CRP is mediated by leisure time physical activity: Results from the MONICA/KORA study. Brain, Behaviour, and Immunity, 26 (7), 1077-1084.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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