Intelligenter durch Computerspiele
Durch geeignete Computerspiele lässt sich die Intelligenz von Kindern steigern. Das konnten Psychologen der Universität Würzburg in einer Untersuchung an bayerischen Förderschulen nachweisen.
Durch geeignete Computerspiele lässt sich die Intelligenz von Kindern steigern. Das konnten Psychologen der Universität Würzburg in einer Untersuchung an bayerischen Förderschulen nachweisen.
Computerspiele genießen nicht den besten Ruf: Bewegungsmangel, Suchtpotenzial und die Brutalität sogenannter Killerspiele sind vermutlich die häufigsten Gründe, warum Eltern ihrem Nachwuchs das Spielen am PC am liebsten verbieten würden. Dass man durch Computerspiele aber auch positive Effekte erzielen kann, haben Psychologen der Universität Würzburg gezeigt.
Die Forscher setzten ein wissenschaftlich anerkanntes Training zur Steigerung des logischen Denkvermögens – das sogenannte Denktraining nach Klauer – als Computerspiel um. Im Rahmen dieses Trainings lernen Kinder, Merkmale von Objekten und Beziehungen zwischen Objekten systematisch miteinander zu vergleichen. Der Erfolg des Trainings konnte in internationalen Studien bereits nachgewiesen werden: Kinder, die solche strategischen Vergleiche gelernt hatten, schnitten nicht nur in Intelligenztests besser ab. Auch ihre Leistungen in der Schule fielen deutlich und dauerhaft besser aus. Für den Einsatz als Computerspiel wurde das Training komplett überarbeitet und in eine typische Spielsituation eingekleidet: Die Kinder begaben sich begleitet von zwei Elfen auf die virtuelle Suche nach dem „blauen Diamanten der Weisheit“ und mussten auf ihrem Weg 120 Aufgaben bewältigen, in denen schlussfolgerndes Denken gefragt war.
Für die Untersuchung wurden Kinder aus drei Klassen bayerischer Förderschulen in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhielt über einen Zeitraum von sechs Wochen hinweg systematische Förderung mit den Denkspielen am Computer, die andere Gruppe nahm im selben Zeitraum am normalen Schulunterricht teil. Jeweils vor und nach dem Förderzeitraum maßen die Psychologen die Leistung im logischen Denken mit standardisierten Intelligenztests.
Nur in der Gruppe, die mit den Computerspielen gefördert worden war, zeigte sich am Ende eine bedeutsame Verbesserung in der Testleistung. Trotz des kurzen Förderzeitraums gelang eine Steigerung des logischen Denkvermögens von im Schnitt 90 IQ-Punkten vor dem Training auf 101 Punkte danach – ein sehr großer Effekt, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass Intelligenz eine stabile Eigenschaft ist, die nur langsam verändert werden kann.
Darüber hinaus zeigte sich: Während vor der Förderung in beiden Gruppen mehr als die Hälfte der Kinder eine schulische Leistung im unteren Viertel aufwiesen, war dies nach den sechs Wochen in der Experimentalgruppe nur noch bei einem einzigen Kind der Fall.
Dass die Effekte so hoch ausfielen, führen die Forscher zumindest zum Teil auf die Computerspielsituation zurück: Die Verfolgung des virtuellen Ziels, den „blauen Diamanten“ zu finden, hält die Motivation bis zum Ende des Trainings aufrecht. Auch die Tatsache, dass Computerspiele ständig Rückmeldung über den aktuellen Leistungsstand geben, trägt nach Meinung der Forscher zum Erfolg bei und lässt sich deshalb ideal nutzen, um hohe Lerneffekte in diesem und auch in anderen Bereichen zu erzielen.
Aufgrund der ermutigenden Resultate untersuchen die Würzburger Psychologen jetzt, welche Effekte sich mit dem Training bei normalbegabten Kindern in Grundschulen erzielen lassen.
Literatur
Lenhard, A. & Lenhard, W. (2011). Computerbasierte Intelligenzförderung mit den „Denkspielen mit Elfe und Mathis“ – Vorstellung und Evaluation eines Computerprogramms für Vor- und Grundschüler. Empirische Sonderpädagogik, 2, 105-120.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © One Laptop per Child / flickr.com unter CC BY 2.0
