Jugendliche auf Schlafentzug

Jugendliche und junge Erwachsene schlafen zu wenig, was sich ungünstig auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit auswirkt. Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern der Philipps-Universität Marburg.

Je älter Kinder werden, desto weniger Schlaf benötigen sie. Dies gilt jedoch nur bis etwa zum Ende des zehnten Lebensjahres – in der Jugendphase verringert sich der Schlafbedarf nur noch geringfügig. Im Alter von zwölf bis 18 Jahren benötigen Heranwachsende immer noch durchschnittlich etwa neuneinhalb Stunden Schlaf, während Erwachsene im Durchschnitt mit etwa acht Stunden auskommen. Forscher der Universität Marburg untersuchten nun in Zusammenarbeit mit dem Dillenburger Institut für Gesundheitsförderung, wie viel Schlaf die jungen Leute tatsächlich bekommen.
Die Marburger Wissenschaftler befragten im Rahmen ihrer Studie über 8.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren bezüglich ihres Gesundheitszustandes, ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Schlafgewohnheiten.
Es zeigte sich, dass die Heranwachsenden unter der Woche im Durchschnitt nur etwas mehr als sechseinhalb Stunden pro Nacht schliefen. Jeder Fünfte schlief während der Woche sogar weniger als sechs Stunden. Hingegen ergaben sich am Wochenende im Durchschnitt neun Stunden Schlaf. Fast jeder zweite Befragte schlief am Wochenende sogar mehr als neun Stunden.
Die Marburger Wissenschaftler erklären sich dieses Ergebnis damit, dass junge Menschen einen anderen Tagesrhythmus präferierten, als ihnen gesellschaftlich vorgegeben sei: So seien sie abends eher länger aktiv und müssten infolgedessen morgens mindestens bis acht oder neun Uhr schlafen. Aufgrund des frühen Arbeits- oder Schulbeginns entwickle sich daher bei vielen ein permanentes Schlafdefizit, welches die Jugendlichen am Wochenende durch sehr spätes Aufstehen auszugleichen versuchten, was jedoch nur bedingt funktioniere.
Die Jugendlichen, so die Forscher, schliefen letztendlich deutlich weniger als ältere Erwachsene, obwohl sie in ihrer Lebensphase eigentlich mehr Schlaf benötigten. Dies spiegelte sich auch in den Befragungsergebnissen zu Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit wider: Knapp zwei Drittel der Jugendlichen berichteten, dass sie sich meist tagsüber nicht ausgeruht und leistungsfähig fühlten, und äußerten den Wunsch, häufig oder sehr häufig länger schlafen zu wollen. 40 Prozent zeigten zudem eine erhöhte Tagesmüdigkeit. Ebenso viele der Befragten wiesen klare Beeinträchtigungen des Wohlbefindens auf. Jeder fünfte Jugendliche gab in der Untersuchung zudem an, in den vergangenen 12 Monaten Schlafstörungen gelitten zu haben – aber nur jeder zehnte Betroffene war deshalb in Behandlung.
Die Marburger Wissenschaftler betonen angesichts ihrer Studienergebnisse die Bedeutung von qualitativ gutem und quantitativ ausreichendem Schlaf als Gesundheits-Ressource, und wie negativ sich permanenter Schlafmangel auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit auswirke. Entsprechend müsse im Rahmen von präventiven und gesundheitsfördernden Maßnahmen dem Thema Schlaf eine herausragende Bedeutung zukommen.

Literatur
Betz, M., Cassel, W. & Koehler, U. (2012). Schlafgewohnheiten und Gesundheit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen – Auswirkungen von Schlafdefizit auf Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Deutsche Medizinische Wochenschrift S 03 (A28).

 

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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