Kopf oder Bauch: Wie entscheiden wir?

Eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung untersuchte das Entscheidungsverhalten in verschiedenen Alltagsbereichen.

Pasta oder Schnitzel? Stefan oder Lars? Badeurlaub oder Wandern? Impfen oder nicht? Wie entscheiden Menschen bei solchen Alltagsfragen – wissensbasiert oder intuitiv? Und gibt es so etwas reine Kopf- und reine Bauchentscheider? Antworten auf diese Fragen suchten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Universität Basel.

Intuitiv oder wissensbasiert

Für ihre Studie befragten sie insgesamt 149 Studierende dazu, wie diese generell Entscheidungen treffen, also ob sie eher dazu tendieren, intuitiv oder wissensbasiert zu entscheiden. Zusätzlich machten die Teilnehmer Angaben darüber, wie sie bei bestimmten Alltagsentscheidungen – etwa Partnerwahl, Kleidung, Restaurants, Medizin, Elektronik und Urlaub – vorgehen würden. Abschließend schätzten die Probanden ihre eigene Expertise in den jeweiligen Bereichen ein.

Keine reinen Kopf- oder Bauchentscheider

Bisher wurde häufig angenommen, dass es so etwas wie reine Kopf- und Bauchentscheider gibt. Dies bestätigte sich in der Studie des Max-Planck-Instituts allerdings nicht. Stattdessen bevorzugten die Teilnehmer je nach Inhaltsbereich die eine oder die andere Entscheidungsart: So wurde etwa bei Kleidung, Restaurants und Partnerwahl eher intuitiv, also aus dem Bauch heraus, entschieden, während bei Themen wie Medizin, Elektronik und Urlaub auf wissensbasierte Abwägungen gesetzt wurde. Diese Effekte zeigten sich unabhängig vom Geschlecht. Das Vorurteil, dass Frauen stärker mit dem Bauch entscheiden als Männer, wurde demnach nicht bestätigt.

Entscheidungen abhängig von der Erfahrung

Die bevorzugte Entscheidungsart hing zudem auch davon ab, wie die Teilnehmer ihre eigene Kompetenz im entsprechenden Bereich einschätzten: Sahen sie sich selbst als Experten auf einem Gebiet an, vertrauten sie eher ihrem Bauchgefühl. Fehlte ihnen hingegen die Erfahrung, trafen sie Entscheidungen eher wissensbasiert.
Die Wissenschaftler folgern aus ihren Ergebnissen: Ob wir im Alltag eher mit dem Bauch oder mit dem Kopf entscheiden, hängt weniger davon ab, welcher Entscheidungstyp wir sind. Vielmehr spielt der Inhalt der Entscheidung eine Rolle – und wie sehr wir uns damit auskennen.

Literatur

Pachura, T. & Spaarb, M. (2015). Domain-specific preferences for intuition and deliberation in decision making. Journal of Applied Research in Memory and Cognition, 4 (3), 303-311.

12. November 2015
Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Symbolfoto: © contrastwerkstatt – Fotolia.com


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