Mobbing als Konstrukt

Mobbing ist ein Gruppenphänomen, stellten Wissenschaftler der Freien Universität Berlin fest. Sie fanden in ihrer Studie empirische Belege für die Objektivierbarkeit des Konstrukts Mobbing.

Mobbing ist ein Gruppenphänomen, stellten Wissenschaftler der Freien Universität Berlin fest. Sie fanden in ihrer Studie empirische Belege für die Objektivierbarkeit des Konstrukts Mobbing.
Der Begriff Mobbing findet seit seiner Einführung vor zwei Dekaden durch den schwedischen Arzt und Psychologen Heinz Leymann sowohl in den Sozialwissenschaften als auch in der Personalführung, im Arbeitsrecht und in den Medien Verwendung. Europaweit sind nach Schätzungen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz etwa zwölf Millionen Menschen von Mobbing betroffen. Doch trotz seines Ausmaßes wird Mobbing in der wissenschaftlichen Literatur bisher noch nicht eindeutig definiert. Organisationspsychologen der Freien Universität Berlin beschäftigten sich in einer aktuellen Studie mit dem Konstrukt Mobbing, seiner Erfassung und seinen psychosozialen Auswirkungen.
Mit Hilfe einer Online-Mitarbeiterbefragung erhoben sie zu zwei Messzeitpunkten die Daten von 4312 Beschäftigten zweier Landesbehörden. Eingesetzt wurden verschiedene Methoden zur Erfassung von Mobbing, die im deutschsprachigen Raum bevorzugt Verwendung finden: Einerseits das Leymann Inventory of Psychic Terrorization (LIPT), in dem die Teilnehmer gefragt werden, welche unsozialen Verhaltensweisen sie gegenwärtig erleben. Andererseits ein Verfahren der Selbstaussage, in dem die Teilnehmer angeben, ob sie sich selbst als Mobbing-Opfer einstufen. Den Autoren war es auf diese Weise möglich, nicht nur neue Erkenntnisse über das Auftreten von Mobbing zu gewinnen, sie konnten zusätzlich die Aussagekraft der eingesetzten Verfahren vergleichen.
Der Vergleich der Erhebungsmethoden zeigte, dass das LIPT-Verfahren besser geeignet war, um die Ursachen und möglichen Folgen von Mobbing zu erkennen. Die Selbstdeklaration allein schätzten die Autoren als weniger gut geeignet ein.
Für beide Mobbing-Indikatoren konnten die Wissenschaftler feststellen, dass diese in den Behörden nicht zufällig verteilt waren. Vielmehr ergaben sich abteilungsspezifische Häufungen. Somit konnte erstmals empirisch belegt werden, dass die Wahrnehmung von Mobbing nicht allein auf der subjektiven Einschätzung einzelner Personen beruht.
Weiterhin kamen die Psychologen zu dem Ergebnis, dass der Führungsstil von Vorgesetzten bei der Entstehung von Mobbing eine entscheidende Rolle spielt. Das Phänomen trat seltener in den Abteilungen auf, in denen die Führungskräfte gesprächsbereiter waren und ihren Mitarbeitern bei wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht einräumten. In diesen Abteilungen war zudem die allgemeine Arbeitszufriedenheit höher.
Unerwartet hoch war der Studie zufolge der Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Depressionen und dem Vorliegen von Mobbing. An dieser Stelle besteht den Autoren zufolge weiterer Forschungsbedarf zur Klärung der Wirkrichtung des Zusammenhangs. Allerdings sehen sie es als ratsam an, bei Anzeichen für Mobbing zu klären, ob bei den Betroffenen eine Depression vorliegt.

Literatur
Eisermann, J. & de Costanzo, E. (2011). Die Erfassung von Mobbing - Eine Konstruktvalidierung aktueller Datenerhebungsverfahren. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

 

Quelle: Freie Universität Berlin

Foto © Sara Björk / flickr.com unter CC BY 2.0