Morgenstund hat Gold im Mund
Kreative Problemlösungen fallen Personen dann leichter, wenn sie müde sind, ist das erstaunliche Ergebnis einer Studie von zwei Psychologinnen vom Albion College und der Michigan State University (USA).
Kreative Problemlösungen fallen Personen dann leichter, wenn sie müde sind, ist das erstaunliche Ergebnis einer Studie von zwei Psychologinnen vom Albion College und der Michigan State University (USA).
Wer kennt das nicht? Nach einer zu kurzen Nacht morgens am Schreibtisch: Die Augen fallen fast zu, die Konzentration lässt zu wünschen übrig, alles geht etwas langsamer. Wohl kaum der Moment, in dem sich jemand über kreative Knobelaufgaben freuen würde. Doch zwei Psychologinnen vom Albion College und der Michigan State University (USA) halten das für die beste Zeit, um derartige Probleme zu lösen.
In ihrer Studie untersuchten sie den Einfluss der Tageszeit auf die Problemlöse-Leistung. Dafür ließen sie zunächst 428 Studenten Fragebögen zu ihrem Chronotyp ausfüllen und unterschieden so frühaufstehende „Lerchen“ von den späten „Eulen“.
Anschließend lösten die Versuchspersonen Aufgaben, die sowohl sogenannte Einsichtsprobleme („insight problems“) als auch analytische Probleme („analytic problems“) beinhalteten. Während bei analytischen Problemen die Lösung schrittweise durch allmähliche Annäherung erreicht wird, kommen bei den sogenannten Einsichtsproblemen Versuchspersonen meist von einer Sekunde auf die andere auf die Lösung. Infolge von internen Umstrukturierungsvorgängen kommt es zu einem „Aha-Effekt“ und plötzlich scheint das gerade noch unlösbare Problem ganz einfach.
Die Aufgabenbearbeitung erfolgte entweder am Morgen, einer für Lerchen günstigen, für Eulen aber ungünstigen Tageszeit, oder am späten Nachmittag, einer Zeit, in der die Eulen leistungsfähiger sind als die Lerchen.
Es zeigte sich, dass die Problemlöse-Leistung bei den Einsichtsproblemen dann am besten war, wenn die Aufgaben zu für die Probanden ungünstigen Tageszeiten gelöst werden mussten. Aufgaben, die zu ihrer Lösung Kreativität erfordern, scheinen also gerade zu solchen Zeiten leichter zu lösen zu sein. Keine Unterschiede in der Problemlöseleistung fanden die Wissenschaftlerinnen für die einfachen analytischen Probleme.
Die Forscherinnen erklären ihren Befund dadurch, dass zu nicht-optimalen Tageszeiten, also im müden Zustand, inhibitorische Aufmerksamkeitsprozesse abnehmen. Diese Kontrollprozesse dienen dazu, aufgabenirrelevante Informationen auszublenden und damit das Arbeitsgedächtnis frei von ablenkenden Reizen zu halten. Was für die Lösung neuartiger analytischer Probleme günstig sein kann, behindert bei Einsichtsproblemen eher. Letztere erfordern eine umfassende, ungerichtete Betrachtungsweise, denn auch scheinbar irrelevante Informationen können zum „Aha-Effekt“ führen.
Literatur
Wieth, M. B. & Zacks, R. T. (2011). Time of day effects on problem solving: When the non-optimal is optimal. Thinking and Reasoning, 17 (4), 387-401.
Quelle: Thinking & Reasoning
Foto © Natalia Lobato / flickr.com unter CC BY 2.0
