Parken Frauen tatsächlich schlechter ein?

Was ist dran an dem Vorurteil, dass Männer die besseren Autofahrer sind und Frauen nicht einparken können? Das fragten sich Psychologen der Ruhr Universität Bochum in einer Studie – mit dem Ergebnis, dass das Selbstvertrauen eine wichtige Rolle spielt.

Die Psychologen um Prof. Dr. Onur Güntürkün ließen 17 männliche und weibliche Fahranfänger und 48 erfahrene Autofahrerinnen und -fahrer mit einem Fahrzeug, mit dem sie keine Erfahrung hatten, in einem Parkhaus zwischen Schrottautos einparken. Vorwärts, rückwärts und seitlich, von links und rechts kommend mussten die Fahrer ihre Künste beweisen. In der Tat kam heraus, dass Männer nicht nur schneller in die Parklücke kamen, sondern sie auch genauer trafen. Besonders beim seitlichen Parken lagen sie vorn: 42 Sekunden schneller und drei Prozent genauer gelang ihnen das Einparken. Aber warum?

Die Forscher wollten es genau wissen. Sie ließen alle Probanden einen Test zur mentalen Rotationsfähigkeit absolvieren. Denn auch beim Parken muss der Fahrer „nicht nur wissen, wie die momentane Position seines Fahrzeugs relativ zu parkenden Autos oder zur Bordsteinkante ist. Er muss auch wissen, wie sich seine Position verändert, wenn er das Gaspedal betätigt“, erklärt Prof. Güntürkün. Männer schneiden bei dem Test durchschnittlich besser ab als Frauen. Da aber meistens auch soziale Faktoren eine Rolle spielen, erfragten die Forscher auch die Selbsteinschätzung der Testpersonen in Bezug auf ihr Können. Und es zeigte sich: Je besser sich die Person einschätzte, desto besser parkte sie ein – selbst Fahranfänger. Und während mit wachsender Erfahrung der Einfluss der mentalen Rotationsfähigkeit sank, blieb der Einfluss der Selbsteinschätzung erhalten. 

Das „weibliche Dilemma“ beginnt also beim mentalen Rotieren und zieht weitere, unerwartete Folgen nach sich. Es bereitet Fahranfängerinnen zunächst Mühe beim Parken, sie bemerken ihre Schwäche und speichern Misserfolge ab. Durch die negative Erwartungshaltung werden Selbstbild und somit die zukünftige Leistung geschwächt. Selbst erfahrene Autofahrerinnen schätzen ihre Fähigkeiten daher weniger selbstbewusst ein als Männer. Sie kontrollieren ständig ihr Handeln, so dass der gedankenlose Automatismus des Einparkens sich bei ihnen nicht einstellt. 
 „Abhilfe könnte ein Perspektivwechsel schaffen“, so Claudia Wolf. „Wenn wir eine vermeintliche Bedrohung zur Herausforderung umdeuten, gehen wir selbstbewusster zu Werke und unsere Leistung steigt.“
 

Literatur: 
 RUBIN Junge Forschung, Sonderheft 10
 www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin-junge-forschung

25. November 2010
 Quelle: Informationsdienst Wissenschaft