Potenziale altersgemischter Teams nutzen

Das Projekt INNOKAT hat es sich zum Ziel gemacht, die Innovationsfähigkeit und Kreativität von altersgemischten Teams in mittleren Unternehmen zu stärken.

Ausgepowert, unflexibel, langsam: Ältere Arbeitnehmer haben oft nicht nur mit ersten Alterserscheinungen, sondern auch mit Vorurteilen seitens ihrer jüngeren Kollegen zu kämpfen – und haben oft selbst Vorbehalte diesen gegenüber. Solche Blockaden im Kopf erschweren den Austausch von neuen Ideen und Erfahrungswissen zwischen Jung und Alt. Wie das Potenzial altersgemischter Arbeitsteams in mittelständischen Unternehmen optimal ausgeschöpft werden kann, untersuchten nun Forscher vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum und der RWTH Aachen.

Trainingsmaßnahmen auf allen Arbeitsebenen

Sie konzipierten verschiedene Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen und erprobten und evaluierten diese in zwei mittelständischen Unternehmen aus der Rhein-Ruhr-Region. Die innovationsfördernden Maßnahmen setzten dabei auf drei verschiedenen Arbeitsebenen an: bei den einzelnen Beschäftigten, in altersgemischten Teams – und auch bei den entsprechenden Führungskräften, denn besonders Vorurteile der Führungsebene können negative Auswirkungen auf das Arbeitsklima haben.

Kognitives Training und Stressmanagement

Auf der Ebene der einzelnen Mitarbeiter zeigten vor allem spezielle Trainingsmaßnahmen zum Umgang mit Stress Wirkung: Für jüngere Beschäftigte eher präventiv von Bedeutung, konnten die entsprechenden Maßnahmen die bei älteren Beschäftigten oft aufgetretene stressbedingte Erschöpfung vermindern. Zudem erwiesen sich kognitive Trainings des Kurzzeitgedächtnisses für alle Altersgruppen als hilfreich: Durch sie verbesserte sich nicht nur das Kurz- und Langzeitgedächtnis, auch die Ablenkbarkeit der Beschäftigten war nach dem Training deutlich vermindert.

Partizipation und Führungsstil

Auf der Teamebene erwies sich Partizipation als der Schlüssel zum Erfolg: Wurden die Angestellten bei der Zielsetzung und der Bestimmung von Kriterien zur Leistungsbewertung beteiligt, stieg sowohl die Identifikation mit dem Team und den Kollegen als auch die Motivation und die Produktivität.

Auch der Führungsstil hatte Einfluss auf den Erfolg altersgemischter Teams: Insbesondere der Stil des „Servant Leadership“, bei dem die Führungskraft sich als Dienstleister des Unternehmens versteht und einen besonderen Fokus auf die Interessen der Mitarbeiter setzt, wirkte sich im Projekt positiv auf die Leistungs- und Innovationsfähigkeit aus. In entsprechenden Trainings und anschließenden Coachings wurde erarbeitet, wie ältere aber auch jüngere Mitarbeiter motiviert und wie Entwicklungspotenziale bei einzelnen Mitarbeitern aufgedeckt und gefördert werden können.

Literatur

Küper, K., Rivkin, W., Diestel, S., Schmidt, K.-H., Myskovszky von Myrow, T., Przybysz, P. et al. (2015). Innovationskraft altersgemischter Belegschaften steigern – eine ganzheitliche Intervention. In S. Jeschke, A. Richert, F. Hees & C. Jooß (Hrsg.), Exploring Demographics. Transdisziplinäre Perspektiven zur Innovationsfähigkeit (S. 463-475). Berlin: Springer.

Rivkin, W., Diestel, S. & Schmidt, K.-H. (2014). The positive relationship between servant leadership and employees' psychological health: A multi-method approach [Abstract]. Zeitschrift für Personalforschung, 28 (1-2), 52-72.

22. Oktober 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Anthony Leopold – fotolia.com


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